Segen
Translated from French by Stefan George
Wenn nach den allerhöchsten urteilsprüchenDer dichter auf die trübe erde steigtSo schaudert seine mutter und mit flüchenBedroht sie Gott der selber mitleid zeigt:
5– Ach! was gebar ich nicht ein nest von schlangen
Eh ich ernährte solch ein zwitterding!Verwünscht die nacht mit flüchtigem verlangenIn der mein leib die sühne mit empfing!
[10] Was hast du mich erwählt aus allen frauen
10Dem blöden mann der vor mir abscheu hat ·
Weshalb kann ich den flammen nicht vertrauenDie missgeburt wie ein verfänglich blatt?
Den hass der mich erdrückt will drum ich lenkenAufs grause werkzeug deiner schadensucht ·
15So gut will diesen schlechten stamm ich renken
Dass nie er zeitigt die verseuchte frucht. –
So würgt sie nieder ihres grolles eiterMit keiner ahnung von des himmels ratUnd türmt sich in der hölle selbst die scheiter ·
20Den lohn für mütterliche greuelthat.
Doch unter eines engels sicherm schutzeHaucht der Enterbte froh im sonnenscheinUnd was er isst und trinkt ist ihm zu nutzeWie götterbrod und roter götterwein.
25Er spielt mit winden · spricht mit wolkenflügen ·
Berauscht sich an der kreuzweg-lieder laut.Der geist · sein führer auf den pilgerzügen ·Weint da er ihn so frisch und heiter schaut.
[11] Die er zu lieben brennt vor ihm erschrecken ·
30Und andre die sein friede kühn gemacht
Versuchen eifrig klagen ihm zu weckenErprobend was die roheit ausgedacht.
In wein und brot eh er zum mund es führteVermischten eklen speichel sie und russ.
35Sie werfen heuchelnd weg was er berührte
Und fluchen · ging durch seine bahn ihr fuss.
Sein weib schreit auf dem öffentlichen platze:– Da er mich liebenswert erklärt und holdTreib ich das handwerk einer götterfratze:
40Stets lass ich schmücken mich mit frischem gold.
Betrinken will ich mich an weihrauch mirren ·An kniefall tief im staub · an fleisch und wein.Im sinn den meine reizungen verwirrenNehm ich mit lachen Gottes stelle ein.
45Und macht mir diese lästerposse mühe
So fasst mein starker schwacher arm ihn anUnd meine nägel · nägel der harpye ·Verfolgen bis zu seinem herz die bahn.
[12] Dem jungen vogel gleich der zuckt und schüttert
50Dies herz ganz rot reiss ich aus seiner brust.
Auf dass mein lieblings-tier sich daran füttertWerf ich zu boden es mit kalter lust. –
Am himmel strahlen reiche königsitze ·Der dichter heiter hebt den frommen arm
55Und seines lichten geistes weite blitze
Verhüllen ihm der völker wilden schwarm.
– Preis dir o Gott der uns zur drangsal leitet ·Uns die wir unrein sind zum heilungs-fluss ·Zum klaren filter der uns vorbereitet ·
60Die starken auf den heiligen genuss!
Ich weiss: der dichter hat der sitze bestenMit seliger legionen schar gemein ·Ich weiss du lädst ihn zu den ewigen festenDer Kräfte Mächte und der Thronen ein.
65Ich weiss: vom adel ist der Schmerz der echte
Den erde nie und hölle niederwarfUnd dass wenn ich mein göttlich stirnband flechteIch aller weltenkreise zins bedarf.
[13] Doch schätze lang verschütteter Palmyren
70Verborgen gold und perlen in dem meer
Von dir emporgeholt dürft ich nicht kürenZu dieser krone sonnenhell und hehr.
Denn sie wird nur geprägt aus reinem lichteDas ich vom heilgen Strahlenherd erlas
75Dem aller glanz der menschlichen gesichte
Nichts ist als armes trübes spiegelglas. –