Mein Vorsatz
[41]Mein Vorsatz.
Wie sehr lieb ich mein Mädchen nicht!Sie hat ein allerliebst Gesicht,Zu schön, um es recht zu beschreiben:Doch daß, wenn sie mir untreu wär,
5Ich drüber den Verstand verlöhr:
Das laß ich wohl bleiben.
Ich trinke gern ein Gläßgen Wein,Schenkt mir Freund oder Mädchen ein,Darzu laß ich mich niemals treiben:
10Doch daß ich Nächte lang dieß trieb,
Und morgen mir die Stirne rieb:Das laß ich wohl bleiben.
[42]Ich wünschte mir ein eigen Haus,
Und theilte gern auch Gnaden aus
15Ließ Hypothecken mir verschreiben;
Doch daß durch niedrigen GewinnIch reicher würd, als ich jetzt bin:Das laß ich wohl bleiben.
Mit einer Frau von vielem Geld,
20Hat sie noch sonst, was mir gefällt,
Würd ich mich allenfalls beweiben:Doch daß ich Schwägern demuthsvollViel Reverenze machen soll,Das laß ich wohl bleiben.
25Ein Amt, wobey die Welt mich ehrt,
Das mich bequem und reichlich nährt,Darwider werd ich mich nicht sträuben:Doch soll ichs durch Laqueyn erflehn,Mich krank in Antichambern stehn?
30Das laß ich wohl bleiben.
[43]Des Lebens Glück ist mir ein Freund:
Auch bin ich keines Menschen Feind,Die oft durch Thorheit uns betäuben:Doch daß ich aus der Narren Zahl
35Vertraute hole, sonder Wahl:
Das laß ich wohl bleiben.
Noch wallt die Freud in meiner Brust;Noch hab ich viel zu leben Lust,Wenn mich die Welt nicht will vertreiben:
40Doch daß ich winselnd Abschied nähm,
Wenn schon so früh die Parce käm:Das laß ich wohl bleiben.