Das Pferd und die Bremse
[45] Das Pferd und die Bremse.
Ein Gaul, der Schmuck von weissen Pferden,Von Schenkeln leicht, schön von Gestalt,Und, wie ein Mensch, stolz in Geberden,Trug seinen Herrn durch einen Wald;
5Als mitten in dem stolzen Gange
Ihm eine Brems entgegen zog,Und durstig auf die nasse StangeAn seinem blanken Zaume flog.Sie leckte von dem heissen Schaume,
10Der heeficht am Gebisse floß;
Geschmeiße! sprach das wilde Roß,Du scheust dich nicht vor meinem Zaume?Wo bleibt die Ehrfurcht gegen mich?Wie? darfst du wohl ein Pferd erbittern?
15Ich schüttle nur: so mußt du zittern.
Es schüttelte; die Bremse wich.
Allein sie suchte sich zu rächen;Sie flog ihm nach, um ihn zu stechen,Und stach den Schimmel in das Maul.
20Das Pferd erschrack, und blieb vor Schrecken,
In Wurzeln mit dem Eisen stecken,Und brach ein Bein; hier lag der stolze Gaul.
Auf sich den Haß der Niedern laden,Dieß stürzet oft den größten Mann.
25Wer dir, als Freund, nicht nützen kann,
Kann allemal, als Feind, dir schaden.