Der Bettler (Gellert)
[44] Der Bettler.
Ein Bettler kam mit bloßem DegenIn eines reichen Mannes Haus,Und bat sich, wie die Bettler pflegen,Nur eine kleine Wohlthat aus.
5Ich, sprach er, kenn ihr christlich Herze;
Sie sorgen gern für andrer Heil,Und nehmen mit gerechtem SchmerzeAn Ihres Nächsten Elend Theil.Ich weis, mein Flehn wird sie bewegen!
10Sie sehn, ich fordre nichts mit Unbescheidenheit;
Nein, ich verlasse mich (hier wies er ihm den Degen,)Allein auf ihre Gütigkeit.
Dieß ist die Art lobgieriger Scribenten,Wenn sie um unsern Beyfall flehn;
15Sie geben uns mit vielen Complimenten
Die harte Fordrung zu verstehn.Der Autor will den Beyfall nicht erpressen;Nein, er verläßt sich bloß auf unsre Billigkeit;Doch daß wir diese nicht vergessen,
20So zeigt er uns zu gleicher Zeit
In beyden Händen Krieg und Streit.