Die Weidenkätzchen
[430]DIE WEIDENKÄTZCHEN
Kätzchen, ihr, der Weide,wie aus grauer Seide,wie aus grauem Samt!O ihr Silberkätzchen,
5sagt mir doch, ihr Schätzchen,
sagt, woher ihr stammt.
»Wollen’s gern dir sagen:Wir sind ausgeschlagenaus dem Weidenbaum;
10haben winterüber
drin geschlafen, Lieber,in tieftiefem Traum.«
In dem dürren Baumein tieftiefem Traume
15habt geschlafen ihr?
In dem Holz, dem harten,war, ihr weichen, zarten,euer Nachtquartier?
[431] »Mußt dich recht besinnen:
20Was da träumte drinnen,
waren wir noch nicht,wie wir jetzt im Kleideblühn von Samt und Seidehell im Sonnenlicht.
25Nur als wie Gedanken
lagen wir im schlankengrauen Baumgeäst;unsichtbare Geister,die der Weltbaumeister
30dort verweilen läßt.«
Kätzchen, ihr, der Weide,wie aus grauer Seide,wie aus grauem Samt!O ihr Silberkätzchen,
35ja, nun weiß, ihr Schätzchen,
ich, woher ihr stammt!