Zur Poesie unserer Cavallerie-Attacken

Fedor von Köppen (1830–1904)

„Die Pferde schnauben und setzen an;Liege wer will mitten in der Bahn,Sei’s mein Bruder, mein leiblicher Sohn,Zerriß mir die Seele sein Jammerton,Ueber seinen Leib weg muß ich jagen“ –

„Und über die schlanken Flanken Schenkel an Schenkel geklebt,Helfend mit allen Hülfen der leichte Reiter schwebt,Schmächtigend sich und stützend schier bis zum Verschwind,Sich in sich verkriechend, zu schneiden den Wind,Gangart aus Gangart, Schritt, Trab, Galopp, Carriére,Bis weg von der Erde in’s Ventre à terre.

Und Alles, was darunter, muß über den Ritt;Die Straßen steigen, verwolken und fliegen mit,Bis Reiter, Roß und Straße eine Wolke, nichts mehr,Ziehend über die Erde, ein Wetter tief und schwer,Drinnen ein Brausen, Rauschen, wie strömend Wasser und Wind,Bis wieder die brausenden Wetter die sausenden Reiter sind.“

„Und es beginnt ein Reiten so bei Roßbach erst begannVon dem wir nichts mehr kennen, als daß man’s nicht mehr kann –“

„– – Es folgte der Choc; im Schritt fing er an, dann Trab, Galopp und Carrière,Noch etwas verhalten den Hügel hinan, dann im sausenden Ventre à terre,Die sprühenden Nüstern vorgestreckt, ein Strich vom Schweif zu den Mähnen;Die Erde dröhnte; es wirbelt’ der Staub hoch auf von den sandigen Plainen –Die Säbel hoch über den Häuptern gezückt, daß sie pfeifend die Lüfte durchschnitten –Es war, als wäre des Zielen Geist in jeden Reiter geritten,Je weiter, je wilder, die Zügel verhängt, Um jetzt mit der höchsten Gewalt,Mit den vollen Kräften von Mann und Roß auf den Feind zu stoßen, und – H-a-l-t!Erschallt das Signal, und festgebannt, eine Mauer, steht das Ganze.,Präsentirt das Gewehr!‘ – die Hymne tönt: ,Heil dir im Siegerkranze!'“