Trost des Edeln

Friedrich von Matthisson (1761–1831)

Trost des Edlen.

Wild loderte, gleich Aetnas Glut,Der Todesgötter Zorn;Zerschmettert, ach! versank in BlutDes Überflusses Horn.

5Verwüstung donnerte die Schlacht,

Wo jüngst von LustgesangNoch Saatfeld, Anger, Strom und SchachtUnd freudig vom Gewühl der JagdGebirg und Forst erklang.

5Ein Chaos von Ruinen thürmt

Sich längs der Felsenwand,Wo, still vom Nußbaumhain umschirmt,Der Väter Wohnung stand.Die Thräne, die hier brennend fällt,

15 Sie muß die lezte seyn!

Wem Selbstgefühl den Busen schwellt,Der trägt im Innern eine WeltWo nimmer Stürme dräun.

Ihm flammt der Unschuld Göttermuth,

20 Den kein Verhängniß raubt;

Des Mißgeschicks TyrannenwuthBeugt nie des Edlen Haupt;Er weiß, daß der Befreyung PlanDurch Irrgewinde führt,

25Und herrlich sich, am Ziel der Bahn

In Glanz das Dunkel, der OrkanIn Frühlingswehn verliert.

Drum kann im weiten SchöpfungsraumEr, ein Verlaßner, stehn,

30Und doch des Lebens öden Traum

Mit Lächeln dauren sehn;Wenn selbst bis an des Grabes Rand’Ihn schwarze Nacht umfließt,Kein Herz an ihn sich liebend band,

35Und eine kalte Miethlingshand

Sein brechend Auge schließt.