Halleluja

Heinrich Heine (1797–1856)

"}}' id="mwAw"> Am Himmel Sonn’ und Mond und SternSie zeugen von der Macht des Herrn;Und schaut des Frommen Aug’ nach oben,Den Schöpfer wird er preisen, loben.

5 Ich brauche nicht so hoch zu gaffen,

Auf Erden schon find’ ich genungKunstwerke, welche Gott erschaffen,Die würdig der Bewunderung.

"}}' id="mwHQ"> Ja, lieben Leute, erdenwärts

10Senkt sich bescheidentlich mein Blick

Und findet hier das MeisterstückDer Schöpfung: unser Menschenherz.

Wie herrlich auch der Sonne Pracht,Wie lieblich auch in stiller Nacht

15Das Mondenlicht, der Sterne Glanz,

Wie stralend der Kometenschwanz –

Die Himmelslichter allesammt,Sie sind nur eitel Pfennigskerzen,Vergleich ich sie mit jenem Herzen,

20Das in der Brust des Menschen flammt.

Das ist die Welt in Miniatur,Hier gibt es Berge, Wald und Flur,Einöden auch mit wilden Bestjen,Die oft das arme Herz beläst’gen. –

25 Hier stürzen Bäche, rauschen Flüsse,

Hier gähnen Gründe, Felsabschüsse,Viel bunte Gärten, grüne Rasen,Wo Lämmlein oder Esel grasen. –

Hier gibt’s Fontainen, welche springen,

30Derweilen arme Nachtigallen,

Um schönen Rosen zu gefallen,Sich an den Hals die Schwindsucht singen.

Auch an Abwechslung fehlt es nicht;Heut’ ist das Wetter warm und licht,

35Doch morgen schon ist’s herbstlich kalt,

Und nebelgrau die Flur, der Wald.

"}}' id="mwfQ"> Die Blumen, sie entlauben sich,Die Winde stürmen fürchterlich,Und endlich flockt herab der Schnee,

40Zu Eis erstarren Fluß und See.

Jetzt aber gibt es Winterspiele,Vermummt erscheinen die Gefühle,Ergeben sich dem MummenschanzUnd dem berauschten Maskentanz. –

45 Freilich inmitten dieser Freuden

Beschleicht sie oft geheimes Leiden,Trotz Mummenschanz und Tanzmusik,Sie seufzen nach verlornem Glück. –

Da plötzlich kracht’s. – Erschrecke nicht!

50Es ist das Eis, das jetzo bricht;

Die Rinde schmilzt, die frostig glatte,Die unser Herz umschlossen hatte. –

Entweichen muß was kalt und trübe;Es kehrt zurück, o Herrlichkeit!

55Der Lenz, die schöne Jahreszeit,

Geweckt vom Zauberstab der Liebe! –

Groß ist des Herren Gloria,Hier unten groß, wie in der Höh’.Ich singe ihm ein Kyrie,

60Eleison und Halleluja.

Er schuf so schön, er schuf so süßDas Menschenherze, und er bliesHinein des eignen Odems Geist,Des Odems, welcher Liebe heißt.

65 Fort mit der Lyra Griechenlands,

Fort mit dem liederlichen TanzDer Musen, fort! in frömmern WeisenWill ich den Herrn der Schöpfung preisen.

Fort mit der Heiden Musika!

70Davids frommer Harfenklang

Begleite meinen Lobgesang!Mein Psalm ertönt: Halleluja!