Jüngstens träumte mir: spatzieren
Jüngstens träumte mir: spatzierenIn dem Himmelreiche ging ich,Ich mit dir – denn ohne dichWär der Himmel eine Hölle.
5Dort sah ich die Auserwählten,
Die Gerechten und die Frommen,Die auf Erden ihren LeibFür der Seele Heil gepeinigt:
Kirchenväter und Apostel,
10Eremiten, Kapuziner,
Alte Käutze, ein’ge junge –Letztre sahn noch schlechter aus!
[151]Lange heilige Gesichter,
Breite Glatzen, graue Bärte,
15(Drunter auch verschiedne Juden), –
Gingen streng an uns vorüber,
Warfen keinen Blick nach dir,Ob du gleich, mein schönes Liebchen,Tändelnd mir am Arme hingest,
20Tändelnd, lächelnd, kokettirend!
Nur ein Einz’ger sah dich an,Und es war der einz’ge schöne,Schöne Mann in dieser Schaar;Wunderherrlich war sein Antlitz.
25Menschengüte um die Lippen,
Götterruhe in den Augen,Wie auf Magdalenen einstSchaute Jener auf dich nieder.
[152]Ach! ich weiß, er meint es gut –
30Keiner ist so rein und edel –
Aber ich, ich wurde dennochWie von Eifersucht berühret –
Und ich muß gestehn, es wurdeMir im Himmel unbehaglich –
35Gott verzeih’ mir’s! mich genirte
Unser Heiland, Jesus Christus.