Meergruß
Thalatta! Thalatta!Sey mir gegrüßt, du ewiges Meer!Sey mir gegrüßt zehntausendmalAus jauchzendem Herzen
5Wie einst dich begrüßten
Zehntausend Griechenherzen,Unglückbekämpfende, heimathverlangende,Weltberühmte Griechenherzen.
Es wogten die Fluthen,
10Sie wogten und brausten,
Die Sonne goß eilig herunterDie spielenden Rosenlichter,[344] Die aufgescheuchten MövenzügeFlatterten fort, lautschreiend,
15Es stampften die Rosse, es klirrten die Schilde,
Und weithin erscholl es, wie Siegesruf:Thalatta! Thalatta!
Sey mir gegrüßt, du ewiges Meer,Wie Sprache der Heimath rauscht mir dein Wasser,
20Wie Träume der Kindheit seh’ ich es flimmern
Auf deinem wogenden Wellengebiet,Und alte Erinn’rung erzählt mir auf’s neue,Von all dem lieben, herrlichen Spielzeug,Von all den blinkenden Weihnachtsgaben,
25Von all den rothen Corallenbäumen,
Goldfischchen, Perlen und bunten Muscheln,Die du geheimnißvoll bewahrestDort unten im klaren Kristallhaus.
O! wie hab’ ich geschmachtet in öder Fremde!
30Gleich einer welken Blume
In des Botanikers blecherner Kapsel,Lag mir das Herz in der Brust;Mir ist, als saß ich winterlange,Ein Kranker, in dunkler Krankenstube,
35Und nun verlaß ich sie plötzlich,
[345] Und blendend strahlt mir entgegenDer schmaragdne Frühling, der sonnengeweckte,Und es rauschen die weißen Blüthenbäume,Und die jungen Blumen schauen mich an,
40Mit bunten, duftenden Augen,
Und es duftet und summt, und athmet und lacht,Und im blauen Himmel singen die Vöglein –Thalatta! Thalatta!
Du tapferes Rückzugherz!
45Wie oft, wie bitteroft
Bedrängten dich des Nordens Barbarinnen!Aus großen, siegenden AugenSchossen sie brennende Pfeile;Mit krummgeschliffenen Worten
50Drohten sie mir die Brust zu spalten,
Mit Keilschriftbillets zerschlugen sie mirDas arme, betäubte Gehirn –Vergebens hielt ich den Schild entgegen,Die Pfeile zischten, die Hiebe krachten,
55Und von des Nordens Barbarinnen
Ward ich gedrängt bis an’s Meer,Und freiaufathmend begrüß’ ich das Meer,Das liebe, rettende Meer,Thalatta! Thalatta!