Brautnacht

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

Brautnacht.

Im Schlafgemach, entfernt vom Feste,Sitzt Amor dir getreu und bebt,Dass nicht die List mutwill’ger GästeDes Brautbetts Frieden untergräbt.

5Es blinkt mit mystisch heil’gem Schimmer

Vor ihm der Flammen blasses Gold;Ein Weihrauchswirbel füllt das Zimmer,Damit ihr recht geniessen sollt.

Wie schlägt dein Herz beim Schlag der Stunde,

10Der deiner Gäste Lärm verjagt;

Wie glühst du nach dem schönen Munde,Der bald verstummt und nichts versagt.Du eilst um alles zu vollendenMit ihr ins Heiligtum hinein;

15Das Feuer in des Wächters Händen

Wird wie ein Nachtlicht still und klein.

Wie bebt vor deiner Küsse MengeIhr Busen und ihr voll Gesicht;Zum Zittern wird nun ihre Strenge,

20Denn deine Kühnheit wird zur Pflicht.

Schnell hilft dir Amor sie entkleiden,Und ist nicht halb so schnell als du;Dann hält er schalkhaft und bescheidenSich fest die beiden Augen zu.