Ode an Herrn Professor Zachariae

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

Ode an Herrn Professor Zachariae

Schon wälzen schnelle Räder rasselnd sich und tragenDich von dem unbedau’rten Ort’,Und angekettet fest an deinem WagenDie Freude mit dir fort.

Du bist uns kaum entwichen, und schwermüthig ziehen

Aus dumpfen Höhlen [denn dahinFlohn sie bey deiner Ankunft, wie für’m GlühenDer Sonne Nebel fliehn]

Verdruß und Langeweile. Wie die Stymphaliden

Umschwärmen sie den Tisch, und sprühn

Von ihren Fittigen Gift unserm FriedenAuf alle Speisen hin.

Wo ist sie zu verscheuchen unser güt’ger Retter,

Der Venus vielgeliebter Sohn,

Apollo’s Liebling, Liebling aller Götter?

Bebt! Er ist uns entflohn

O gäb er mir die Stärke seine mächt’ge LeyerZu schlagen, die Apoll ihm gab;Ich rührte sie, dann flöhn die Ungeheuer

Erschrökt zur Höll’ hinab.

O leih’ mir, Sohn der Maja, deiner Ferse Schwingen,

Die du sonst Sterblichen geliehn;Sie reissen mich aus diesem Elend, bringenMich nach der Okker hin.

Dann folg’ ich ohnerwartet einstens ihm am Flusse;

Jedoch so wenig staunet er,Als gieng ihm, angeheftet seinem Fuße,Sein Schatten hinter her.

Von ihm dann unzertrennlich wärmt den jungen Busen

Der Glanz, der glorreich ihn umgiebt.

Er liebet mich, dann lieben mich die Musen,Weil mich ihr Liebling liebt.