Romeo und Julia in der Garnison

Karl Hecker (1845–1897)

„O Romeo! warum denn Romeo?Verleugne Deinen Vater, Deinen Namen;Willst Du das nicht, schwör’ Dich zu meinem Liebsten,Und ich bin länger keine Capulet!“

„An Julia!Trennten Berge uns und Schluchten,Nicht verzagt’ ich theures Kind;Aber daß es die verfluchtenKleinen Vorurtheile sind! –Schied ein Meer uns von einanderSturmbewegt und abgrundtief,Ich durchschwämm’ es wie Leander,Da ihn Hero’s Fackel rief!

Aber daß zu Deinen FüßenIch nicht stürze, wie mich’s drängt,Daß mein Mund nicht an dem süßenWonnequell des Deinen hängt,Daß, die düstre Nacht zu hellen,Mir nicht strahlt Dein holder Blick,Alpen nicht, noch DardanellenDank ich solches Mißgeschick.

Maulwurfshügel, seichte Pfützen,Wahn, zur Satzung aufgebläht,Sind die Schranken, die Dich schützen,Die ein freier Sinn verschmäht.Julia, Julia, laß Dich sprechen,Gieb ein Zeichen, wann und wo;Sind die Schranken nicht zu brechen,Bricht mein Herz!Dein Romeo.“

„Entweihet meine Hand verwegen Dich,O Heil’genbild, so will ich’s lieblich büßen,Zwei Pilger, neigen meine Lippen sich,Den herben Druck im Kusse zu versüßen.“

„Niemals gab es ein so süßes Los,Als Juliens und ihres Romeo’s.“