Hexen, Teufel und Blocksbergspuk in Geschichte, Sage und Literatur
„Vom verfluchten BimbambimmelUmnebelnd heitern Abendhimmel,Mischt sich in jegliches BegebnisVom ersten Bad bis zum Begräbnis,Als wäre zwischen Bein und BaumDas Leben ein verschollner Traum.“
Die Erste.Habe heute einem RabenBei dem Mahle aufgepaßt;Als den Kopf er dreht’, entriß ichIhm das Fleisch in wilder Hast.
Die Zweite.Seit der Abendstern scheint, habeIch getan manch’ edlen Fund:Wolfshaar, Natterohren und denSchaum von einem tollen Hund.
Die Dritte.Diesen Totenkopf, den hab’ ichIn dem Beinhaus aufgespürt,Und dabei den TotengräberGanz empfindlich angeführt.
Die Vierte.Ich schlich hinter eine Wiege,Sog den Hauch des Kindes ein;
Und die Amme, die im Schlafe,Kniff ich in das Nasenbein.
Die Fünfte.Einen Dolch, gar scharf geschliffen,Hatte ich; zum ZeitvertreibSchälte einem jungen KnabenIch das Fett aus seinem Leib.
Die Sechste.Einem Mörder, der am Galgen,Ich den Rock vom Leibe riß,Schnitt sein Haar ab, diese SehneAus dem rechten Arm ich biß.
Die Siebente.Hab’ der schwarzen Federn und derEuleneier mitgebracht,Und aus einer Froschhaut hab’ ichDiesen Beutel mir gemacht.
Die Achte.Einer wohlgenährten KröteRiß ich beide Augen aus,Und zerschnitt darauf zum Spaß dieSchwingen einer Fledermaus.
Die Alte.Hab’ das Blut von BasiliskenUnd hab’ Schlangenhaut gebracht:Somit wäre alles fertigFür das lust’ge Fest der Nacht.
„Einst stieg mit des Satans WillenAuf der häßlichste der TeufelZu der Erde, um zu suchenDort die gräßlichste der Hexen.
Und er fand sie und er liebt’ sie.Und von da ward ihm die ErdeSchöner als der Hölle Tiefe,Und seitdem stieg jeden AbendUm die mitternächt’ge StundeDurch den Rachen eines VulkansEr hinauf zu seiner Hexe,Krötenhäuptig, schlangenschwänzig,Flammenmähnig, drachenfüßig,Brachte stets ein wildes, schwarzesPferd der Teufel auf die Erde.Und die Hexe kam gefolgt vonFledermäusen und von Eulen,Reitend auf dem BesenstieleIn des feuerspei’nden BergesGraus’gen Rachens glühende Tiefe.Dorten saßen sie und sprachenBis des Hahnes Krähn ertönte;Und sie sprachen über alles,Was nur häßlich war und heillos.Und der Teufel sprach: „Mich frieret,Komm’ doch tiefer, komm’ doch tieferAuf den tiefsten Grund des Vulkans,Wo von je die Gluten hausen.Huh, auch hier noch, hier noch friert mich,Sieh wie meine Zähne klappern!Komm’, umarme mich und küss’ mich!“Sie umarmten dort sich küssend –Welch ein Kuß war dieser! Als desTeufels und der Hexe LippenSich bewährten, da erbebteSchaudervoll die ganze Erde,Donnernd, knurr’nd, als hätt’ verschluckt siePechschwarze Gewitterwolken;Und der Berg begann zu speien,Und er spie hinan zum HimmelLavaregen, Feuersteine.Eine Flamme ward die Erde,Nur die Sterne mit dem MondeZogen einen Flor ums Antlitz,
Einen dichten schwarzen Schleier,Denn sie wollten gar nichts sehen.Und der Kuß des Teufels keimte,Mutter ward darauf die HexeUnd gebar ein Ungeheuer,Wie es da nur wird geboren,Wo sich Erd’ und Höll umarmen,Und der Hexe abscheulichenBalg, er ward genannt „die Kette“,Und die „Kette“ ist die Knechtschaft!“(Übersetzt von J. Goldschmidt.)
I. Kreuz Jesu Christi Milch goß.I. Kreuz Jesu Christi Wasser goß.I. Kreuz Jesu Christi haben goß.
„Where folks believe in witches, witches are,But when they don ’t believe, there are none here“,
„Old Mammy Redd,Of Marblehead,Sweet milk would turnTo mould in churn“.
Cuatro esquinas tiene mi casa.(Mein Haus hat vier Ecken)Cuatro angeles que la adora.(Vier Engel bete ich an)Lucas, Marcos, Juan y Mateo.Ni brujas, ni hechiceras,Ni hombre malhechor.(Weder Hexen noch Zaubrer,noch Übeltäter sollen mir einLeid zufügen,)En el nombre del Padre,J del hijo, y del Espiritu Santo.“(Im Namen des Vaters, desSohnes und des heiligen Geistes.)
„Ich gebe dir drei Tropfen Blut,Jung ist es und gut!Der dich stiehlt, dem verdorreBlut und Fleisch!Wenn das Blut, wenn das BlutIn deinem Leibe ruht,Soll die Feuersglut, soll die FeuersglutJedermann verzehren,Der sich an dir will nähren.“
Djakon Stefan macht sich auf am Morgen,Früh am Sonntag vor der warmen Sonne,Warmen Sonne, vor dem Gottesdienste,Doch er gehet nicht zur weißen Kirche,Schreitet schweigend zu dem offnen Felde,Weißen Weizen auszusä’n im Felde.
Siehe, kommen da zwei greise Wandrer,Hilfe Gottes rufen fromm sie zu ihm,Rufen: „Helfe Gott Dir, Djakon Stefan!“Drauf erwidert er den Männern schönrer:„Gutes gebe Gott, ihr greisen Wandrer!“Sprachen aber drauf die greisen Wandrer:„Beim lebend’gen Gott, o Djakon Stefan!Scheinst im Hause große Not zu leiden,Daß du also früh bist aufgestanden,Früh am Sonntag vor der warmen Sonne,Warmen Sonne vor dem Gottesdienste,Weißen Weizen auszusä’n im Felde.
Wahnsinn hat dir, Held, den Geist ergriffen,Bist, so scheint es, heut ein Türke worden,Hast das heil’ge Kreuz, den schönen Glauben,Mit den Füßen frech getreten, Djakon!Und den Glauben dran hast du verloren,
Da du also früh bist aufgestanden.Früh am Sonntag, vor der warmen Sonne,Warmen Sonne, vor dem Gottesdienste,Weißen Weizen auszusä’n im Felde.
Es erwidert drauf der Djakon Stefan:„Beim lebend’gen Gott, ihr greisen Wandrer,Da ihr fraget, will ich euch es sagen,Nicht wahnsinnig bin, der Held ich, worden,Oder worden ein ungläub’ger Türke;Noch hab’ ich das Kreuz, den schönen GlaubenMit den Füßen frech getreten heute,Aber große Not hab’ ich ja leider,Denn in meinem Hof muß ich ernähren,Neun der Stummen, neun der armen Blinden,Muß ich nähren mit der treuen GattinUnd die Sünde wird mir Gott verzeihen“.Und es sagten drauf die beiden Alten:„Gehn zum Hofe wir des Djakon Stefan,Um zu sehn die Gattin Djakon Stefans,Was die Gattin dort des Djakon schaffet.Langsam gingen sie zum Hofe Djakons;Doch die Gattin ist früh aufgestanden,Früh am Sonntag vor der warmen Sonne,Warmen Sonne, vor dem Gottesdienste,Um zu rein’gen ihren weißen Weizen.
Hilfe Gottes rufen fromm sie zu ihr,„Gattin Stefans, helf’ dir Gott zur Arbeit!“Drauf erwidert sie den Männern schön’rer:„Hüter gebe Gott, ihr greisen Wandrer!“Sprachen aber drauf die greisen Wandrer:„Beim lebend’gen Gott, o Gattin Stefans,Scheinst im Hause große Not zu leiden,Daß du also früh bist aufgestanden,Früh am Sonntag, vor der warmen Sonne,Um zu reinigen den weißen Weizen.Du bist, junges Weib, wahnsinnig worden,Oder wurdest zur ungläub’gen Türkin,Hast das heil’ge Kreuz, den schönen GlaubenMit den Füßen frech getreten, Törin!
Und den Glauben dran hast du verloren,Daß du also früh bist aufgestanden,Früh am Sonntag, vor der warmen Sonne,Warmen Sonne, vor dem Gottesdienste,Um zu reinigen den weißen Weizen.“
Und die Gattin sprach darauf des Djakon:„Beim lebend’gen Gott, ihr greisen Wandrer,Da ihr fraget, will ich es sagen:Nicht wahnsinnig bin ich, Weib, geworden,Oder worden zur ungläub’gen Türkin,Noch hab ich das Kreuz, den schönen Glauben,Mit den Füßen frech getreten heute;Aber große Not hab’ ich zu leiden,Denn in meinem Hof muß ich ernährenNeun der Stummen, neun der armen Blinden,Muß ernähren ich mit meinem Herrn,Und die Sünde wird mir Gott verzeihen!“Und es sagen drauf die greisen Wandrer:„Beim lebend’gen Gott, o Gattin Stefans,Gib du mutig uns dein männlich Kindlein,Gib dein männlich Kind aus goldner Wiege,Schlachten wollen wir dein männlich KindleinUnd das rote Blut vom Kindlein nehmen,Deinen weißen Hof damit besprengen,Und was stumm ist, wird sogleich dir reden,Und was blind ist, das wird alles sehen.“Und die Gattin sann des Djakon Stefan,Dachte sinnend allerlei Gedanken,Bis das junge Weib hat sich entschlossen,Und das Kindlein gab aus goldner Wiege,Und sie schlachten gleich das kleine Kindlein,Fangen sorgsam auf den roten Blutstrom,Und den weißen Hof damit besprengen,Hat was stumm war, jetzt sogleich geredet,Und was blind war, hat gesehen alles.
Weiter gingen dann die alten Wandrer,Weiter reisten sie mit Gott, dem Herren,Djakons Gattin sah sich um im Raum,Und sie schaute hin zur goldnen Wiege,
Saß ihr Kindlein still in seiner Wiege,Lächelnd spielts mit einem goldnen Apfel,Und die Gattin spricht des Djakon Stefan:„Dank für alles sei dir, lieber Herrgott,Daß die beiden alten Wandrer kamen,In der Wiege mir das Kind geschlachtet,Auf das rote Blut vom Kindlein fingen,Mit dem Blut besprengt die weißen Höfe;Denn was stumm war, hat sogleich geredet,Und was blind war, hat gesehen alles.In der Wiege sitzet jetzt das Kindelein,Lächelnd spielts mit einem goldnen Apfel.Aus der Wiege da beginnt das Kindlein:„Süße Mutter, o du süße Nahrung,Jene waren keine alten Wandrer,Engel Gottes sind die zwei gewesen!“
„Gedenkt dir, Odin,Wie wir in UrzeitenDas Blut mischten beide?Du gelobtest, nimmerDich zu laben mit Trank,Würd’ er uns beiden nicht gebracht.“
Der Scharen Führer, sieben an der ZahlSah ich, wie sie des Opferstieres BlutIm schwarz umzogenen Schilde fingen.Dann taucht ein jeder in das Blut, die Rechte hebend, sprechend:„So hört es Ares, Enyo,So Phöbos der Blutdürstende, es sink’In Trümmern hin die Kadmosstadt, gestürtztVon dieser Rechten, oder selbst mein BlutWird hier verspritzt.“
„Gäbs schwarze Flocken überall, wo der Satan gesessen.Du sähest manche Kirche an für alte Schmiedeessen“
„Mönchen und Pfaffen,Nunnen und Affen,Viltzluß und Fledernüß,Hudern und bös Gelt,Tragt den Teufel in alle Welt.“
„Wie? Ich soll einen Christen mit meiner Macht unterstützen,Den seine Taufe erlöst und das Wasser völlig gefeit hat?Alles, was mein, das leugnet die Schrift und leugnet auch Christum,Leugnet sogar, daß unbefleckt Maria empfangen!Schwer zwar trag’ ich an Christi Geburt, doch nahet die Stunde,Da mit gewaltiger Faust ihn selbst darnieder ich schmettre!Dann erkenn’ es die Welt, wer das All beherrscht und regieret!Dann, du Menschengewürm, das jetzo mich schmäht und lästert,Schlepp dich zu meinem Altar! Anbetet ihr Pfaffen und Priester!Seht, euer Christus selbst wagt nicht meiner Werke, zu trotzen!
Doctor Faustus was a good man,He whipped his pupils now and then,He whipped his pupils and made them danceOut of Scotland, into France,
Out of France into Spain,And then he whipped them back again.
„Solch ein Gewimmel möcht ich sehn,Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.Zum Augenblicke dürft’ ich sagen:Verweile doch, du bist so schön!“
„Gerettet ist das edle GliedDer Geisterwelt vom Bösen:„Wer immer strebend sich bemüht,Den können wir erlösen.“Und hat an ihm die Liebe garVon oben teilgenommen,Begegnet ihm die selige ScharMit herzlichem Willkommen“,
Ich rief den Teufel, und er kam,Und ich sah ihn mit Verwundrung an,Er ist nicht häßlich und ist nicht lahm,Er ist ein lieber, scharmanter Mann,Ein Mann in seinen besten Jahren,Verbindlich und höflich und welterfahren.Er ist ein gescheuter DiplomatUnd spricht recht schön über Kirch’ und Staat.Blaß ist er etwas, doch ist es kein Wunder,Hegel und Sanskrit studiert er jetzunder;Sein Lieblingspoet ist noch immer Fouqué.Doch will er nicht mehr mit Kritik sich befassen,Die hat er jetzt gänzlich überlassen,Der teuren Großmutter Hekate,Er lobte mein juristisches Streben,Hat früher sich auch damit abgegeben.Er sagte, meine Freundschaft seiIhm nicht zu teuer, und nickte dabei,Und frug, ob wir uns früher nichtSchon einmal gesehn beim span’schen Gesandten?Und als ich recht besah sein GesichtFand ich in ihm einen alten Bekannten.
Un jour Dieu sur la tableJouait avec le diableDu genre humain haï,Chacun tenait sa carte,L’ un jouait Bonaparte,Et l’ autre Mastaï.
Un pauvre abbé bien mince,Un méchant petit prince,Polisson hasardeux!Quel engeu pitoyableDieu fit tant que le diableLes gagna tous les deux.
„Prends!“ cria Dieu le père,„Tu ne sauras qu’ en faire!“Le diable dit: „Erreur!“Et, ricanant sous cape,„Il fit de l’un un pape,De l’ autre un empereur!“
Im Oberland ein Bauer saß,Der sehr in Sorg’ und Armut was.Er sprach: „Mich hat das Glück verschworn,Mir schlugen Weizen um in Korn,Linsen, Erbsen, Rüben, Kraut,Was alles heuer ich gebaut;Auch sind zwei Mastsäu mir gestorben,
Im Brunnen auch ein Kalb verdorben,Dazu auch noch ein Roß gestohlen.Ich weiß mich nicht mehr zu erholenVom Schaden, daß den Zins ich zahle,Der schon verlangt zum dritten Male.Ich fürcht den Schuldturm allerwegen,Darin ich schon zweimal gelegen,Steck’ sonst auch in sehr großer Schuld,Drum mehrt sich meine Ungeduld,Ich glaub’, wenn jetzt der Teufel käme,Mir Geld gäb’, daß ich’s von ihm nähmeUnd darnach wäre ewig seine.“Indem der Teufel kam hereinUnd sprach: „Ich hörte deine Klag’,Mit Gott ich dir wohl helfen mag,Doch daß darnach du seiest mein.“Der Bauer sprach: „Ja, das soll sein,Wenn du mir nur gibst Geld genug.“ –„Du möchtest treiben leicht Betrug,“Der Teufel sprach, „drum sage an,Wieviel des Geldes muß ich dannDir geben, daß genug du hättest.“Der Bauer sprach: „Wenn du mir tätestGleich eben diesen Mehlsack voll,Sollt’ mir daran genügen wohl,Dann soll dein sein mein Leib und Leben“.Der Teufel sprach: „Das will ich geben,Es wird dir tadellos gebracht,Setz’ dich auf dein Scheun’ heut’ NachtMit deinem Sack, so komme ich.Doch sag’s im Dorfe keiner Seel’,Sonst nimmt’s der Edelmann ohn’ Fehl.“Das Ding war klar, der Teufel fuhr hin.Der Bauer dacht’ in stillem Sinn,Wie er’s anfing, daß er Geld nähme,Und aus den großen Schulden käme,Doch nicht verlör der Seele HeilUnd nicht dem Teufel würd’ zuteil.„Weiß einen Streich, muß es bekennen!Ich will den Sack unten auftrennen
Und oben in den Scheuer hochHinein ihn hängen durchs Firstloch,Daß, was er schüttet drein an Geld,Nur unten durch den Sack durchfällt,Und mir bleibt in der Scheuer drinnen;Dem Teufel wird sein Geld zerrinnen,Eh’ daß mein Sack gefüllet steht.Und wenn mein Anschlag mir gerät,So wird gar großer Reichtum mein –Und ich werd’ nicht des Teufels sein.“Tat also bei des Mondes GlitzenHin auf dem First der Scheuer sitzen,Den bodenlosen Sack mit zogUnd hing hinein ihn durchs Firstloch.Der Teufel sich gen Frankfurt hubUnd einen Kessel mit Gold ausgrub,Den ein alter Jud’ vergraben hätt’,Und den mit sich hinführen tätZum Bauern auf die Scheuer seinUnd stülpt’ ihn in den Sack hinein,Daß alles unten fiel heraus.Der Teufel an eines Bauern HausEinen Topf mit Golde ausgrub nochUnd hub in großer Eil’ ihn hoch(Ein Bauernweib ihn vergraben hätt’)Und auch in den Sack ihn schütten tät.Nachdem begriff den Sack er wohl,Ob er nicht wäre Goldes voll.Da griff er endlich an die Stätt’,Wo keinen Boden der Sack hätt’,Sprach: „Bauer, du hast mich betrogen,Das Hälmlein durch das Maul gezogen,Weil dein Sack keinen Boden hat.Was ich hinein schütt’, das fällt gradHinab durchs Loch in deine Scheuer.Ich kriegte Mangel ungeheuerAn allen Schätzen dieser WeltUnd allem eingegrabnen Geld,
Eh’ ich dir füllte deinen Sack.“Der Bauer ob der Red erschrakUnd fürchtete des Teufels Zorn.Derselbe fing an zu rumor’nUnd fuhr den Bauern grimmig an,Zerkratzt’ ihm das Gesicht sodannMit seinen spitzen Klauen scharf,Beim Haar ihn von der Scheuer warf.Der Teufel, arg erzürnt, entwich,Ließ üblen Stank noch hinter sich.Der Bauer fiel vom Dach so hart,Daß er sein Lebtag hinkend ward.Auf fuhr alsbald der BauersmannUnd klaubt’ das Geld zusammen dann,Es in den Haberkasten tätUnd meint: „Nun werd ich fröhlich fett.“Er lacht. „Obgleich ich worden lahm,Ich doch zu großem Reichtum kam!Ein End’ hat meine Ungeduld,Nun kann ich zahlen meine Schuld,Beim kühlen Weine sitzen auch,Wie das bei reichen Bauern Brauch,Werd nun gezogen auch herfür,Brauch nicht zu sitzen hinter der Tür.“So tät er aller Kurzweil waltenUnd eine frohe Fastnacht haltenMit seinem Schatz im Haberkasten.Und als es nun war am Mitfasten,Da ging zum Pfarrer er zu Beicht’,Von Sünd’ sein Herz zu machen leicht.Den Streich vom Teufel er erzählt’Und von dem zugebrachten Geld,Vom Sack, der keinen Boden hätt.Der Pfarrer dann nachdenken tätUnd brauchte eine flinke List.Sprach: „Bauer, wenn zu dieser Frist,Du willst, daß ich dich absolvier,So mußt du wahrlich geben mirZum Lohn den bodenlosen Sack.Der Bauer ob der Red erschrak
Und sprach: „Herr, hab’ den Sack erstrittenUnd sehr viel Unglück drum erlitten;Drum ich den Sack nicht gern verlier!“Der Pfarrer sprach: „Es ziemet mirDer Sack, und ist auch klares RechtDem ganzen geistlichen Geschlecht,Daß wir drin sammeln alles GeldUnd alle Güter dieser Welt,Auf daß er doch nicht werde voll,Drum ziemet uns der Sack gar wohl.“Der Bauer sprach: „So nehmt ihn hin!Wie lang’ wollt ihr behalten ihn?“
Ich denk’, es werd’ in kurzer ZeitIhn wieder nehmen die Obrigkeit,Auf daß ihr Schatz sich mehr’ und wachs’Zu gemeinem Nutzen, spricht Hans Sachs.* * *
Schwindet beengende,Mönchisch bedrängende,Traurige Wände,Weichet behendeTraulichen RäumenFreundlicher Küche!Schüsseln umsäumen,Blanke, die Ränder,Pfannen, die Ständer,Quillet hervor,Steiget empor,Holder GerücheReizparadies.Denn an dem HerdeFlinker GebärdeSehet die netteKöchin BabetteDrehet das fetteGänschen am Spieß.
Weitre GewahrungZeiget danebenSalzigen Harung,Welcher soebenNeben Kartöffelein,Die sie gerädelt fein,Stehet parat,Kleingeteilt, aufzugehen,Angemacht, aufzustehenIm ölgenetzeten,Essig durchsetzetenRäsen-Salat.
Doch in Kamines SchoßDrängen sich klein und groß.Bis zu dem Firste,Locken und winkenRauchige Schinken,
Zungen und Würste,Ziehn um die niedliche,Um die gemütliche,Die appetitlicheKöchin, die drehende,Sorglich besehende,Schwebenden Kranz.Fertig nun findet sieZiehend vom Spieße dieBrätelnde, schmorende,Nasebetorende,Goldschimmerhäutliche,Brodelnde, bräutliche,Rundlige Gans.
Wie sie sich beuget,Wie sie sich neiget’Neben die Schüssel,Klirrend bewegt,Rasseln die Schlüssel,Lange und kurze,Blinkend am RingeStählerner Zwinge,Die sie am SchurzeAmtsgemäß trägt.
Doch der gewaltigsteUnter denselbigenÖffnet aufs baldigsteZu dem gewölbigemKeller die Tür.Dort aus dem kluftigen,Dunklen GelaßLuget herfür,Strotzend von duftigen,Alten und reinenTyroler Weinen,Strotzend von hopfigem,Malzgehalttropfigem
KraftelixiereLagernde Biere,Faß an Faß. –
Man hörte, wie es gluckte,Wie er gewaltig schluckte.Den Fluten im GedrängeWard schier der Schlund’ zu enge.
Ein Lederwams umschnallt er sich,Das hieß er schnüren feste.Drauf in den Panzer preßte,Von Eisen, er sich engeUnd sprach: „Des Weins GedrängeLäßt mich nun unversehret;Ich hab’ mich so versperret,Er kann mich nicht erschießen!Das will ich auch genießen,Daß ich zu Freuden meinen LeibGezwungen, daß nicht Mann noch WeibJemals so sehr den Leib bezwang.“Da hub den Krug er auf und trank.
Weh, was sah Tam für ein Gesicht!Sah Hexen da mit Zaubrern tanzen,Nicht Kotillon nach Art der Franzen,Nein, schott’scher Tanz nur ganz alleineBringt Feuer und Leben in die Beine.Und in des Ostens Fenster saßIn Tiergestalt Herr Satanas,Ein zott’ger Hund, schwarz, groß und wild,Der ihnen auf zum Tanze spielt’;Er drückt die Pfeifen, daß sie tönen,Bis Dach und Sparren all’ erdröhnen,Und ringsum offne Särge standen,Die Toten drin in Grabgewanden,Und jeder, wie durch Teufelstrug,Ein Licht in kalten Händen trug.Der kühne Tam bei ihrem ScheinSah liegen auf dem heil’gen SchreinIn Galgeneisen Mörders Bein’,Zwei Kinder ungetauft und klein,’nen eben abgeschnittnen Dieb,Dem offen stehn der Mund noch blieb,Fünf Tomahawks, in Mord getaucht,Fünf Säbel, dran das Blut noch raucht,Die Schnur, die Säuglings Hals umschlang,Den Dolch, den Vaters Kehl durchdrang,Dem nahm sein eigner Sohn das Leben,Am Heft noch graue Haare kleben,Und mehr des Schrecklichen und GrassenAls ich in Wort und Reim kann fassen.
Wie Tam voll Neugier staunt und starrt,Die Freud’ und Lust stets wilder ward.
Der Pfeifer blies stets hell und heller,Die Tänzer flogen schnell und schnellerRundum, hochauf, die Kreuz und Quer,Die Hexen schwitzten immer mehr,Bis ab sie warfen ihre KleiderUnd nun im Hemde tanzten weiter.
Wohlan, Tam, wären sie gewesenRecht runde, volle, junge Besen,Ihr Hemd, statt schmutziger Flanell,Aus altem Linnen, rein und hell:Die Hosen hier, mein einzig Paar,Einstmals von Plüsch mit blauem Haar,Ich zog sie ab vom Beine traun,Könnt’ ich die hübschen Vöglein schaun.Doch solche Hexen, alt und häßlich,Zum Füllensäugen gut, so gräßlich,An ihren Stall sich dreh’nd und schwingend,O Tam, war ’s dir nicht ekelbringend!Doch Tam was hübsch war, wohl verstund,Ein hübsches Mädchen, nett und rund,Sich heut’ zum erstenmal einfand.Lang kannt’ man sie an Karricks Strand,Denn manches Stück Vieh schoß sie tot,Stürzt’ um so manches hübsche Boot,Macht’ Korn- und Gerstenähren leer,Das ganze Land sie scheute sehr. –Ihr kurzes Hemd von Paisley-Arbeit,Ob’s auch herniederging nicht gar weit,Ihr bestes war’s und gern getragen:Sie trug’s schon in den Mädchentagen.Nicht dachte die Großmutter deinAls sie kauft’ es der Enklin kleinFür zwei Pfund Schott’sch, ihre Habe ganz,’s würd’ prangen einst beim Hexentanz’.Doch hier die Muse senkt die Schwingen,Denn nimmermehr würd’s ihr gelingen,Zu singen, wie sie tanzt’ ohn’ Ende,Denn kraftvoll war sie und behendeUnd wie Tam dastand wie verzückt
Und hielt sein Auge für beglückt.Selbst Satan schaute gern sie an,Und blies die Pfeife, was er kann.Und jetzt ein Luftsprung, dann ein zweiterUnd Tams Vernunft hielt’s aus nicht weiter,Los brüllt’ er: „Kurzhemd, brav gemacht!“Im Augenblick war alles Nacht.Kaum setzte Lieschen sich in Gang,Als vor die Höllenbande sprang.
Wie zornig summt der Bienen SchwarmDroht ihrem Nest ein Räuber Harm,Wie Kätzchens Todfeind klafft und bellt,Wann plötzlich sie in’s Aug’ ihm fällt,Und wie das Marktgedränge wallt,Wenn „Fangt den Dieb!“ gar laut erschallt;So Lieschen rennt, die Hexen eilenIhr nach mit fürchterlichem Heulen.O Tam, wie schlecht warst du beraten!Als Hering werden sie dich braten.Umsonst dein Kätchen auf dich harrt,Bald trauert sie, daß sie Witwe ward.O Lieschen, deine Schnelle zeig’.Den Schlußstein auf der Brück’ erreich’!Den Schwanz weis’ ihnen, mutig drauf,Denn übern Fluß geht nicht ihr Lauf.Doch eh’ sie konnt’ zum Stein gelangen,Hatt’ sie schon keinen Schwanz mehr hangen;Denn Hannchen vor den andern allenDroht über Lieschen herzufallen.Schon sprang auf Tam sie wütend los,Doch Lieschens Schnelligkeit war groß.Ein Sprung den Herrn ins Trockne bringt,Doch war ihr Schweif hin unbedingt.Die Hexe faßt sie dort beim RumpfUnd ließ ihr kaum noch einen Stumpf.
Ihr Muttersöhne, leset hierDie wahre Mär’ und folget mir:Wenn’s euch gelüstet nach dem Wein,Fällt auch ein kurzes Hemde ein,
Denkt: leicht zu teu’r die Freude wär’,Gedenkt an Tam o’ Shanters Mär!
„Hier steh’ ich auf der Höhe,Und rufe aus das Lehn, das erste (zweite) Lehn,Daß es die Herren recht wohl verstehn,Wem soll das sein?“
Den deutschen Mannen gereicht’s zum Ruhm,Daß sie gehaßt das Christentum,
Hilf, ach, hilf mir, Kriegsgeselle!Ach, es kommt die ganze Hölle!Sieh, wie die verhexten LeiberDurch und durch von Flammen glühen!Menschenwölf’ und Drachenweiber,Die im Flug vorüberziehen!Welch’ entsetzliches Getöse!Laßt uns, laßt uns alle fliehen!Oben flammt und saust der Böse,Aus dem BodenDampfet rings ein Höllenbroden.
Mein wundervolles Lied besingt die große Nacht,Die manchen Schelm berühmt, den Blocksberg ewig macht,Wohin, um sich ihr Glück durch Wunder zu bereiten,Die auf dem Besenstiel, und die auf Böcken reiten.Die Nacht, die wunderleer dem Klugen nicht mehr bleibt,Der nichts auf Hexen hält, doch Hexenwunder gläubt,Die Nacht, wo Belzebub Mäcenen ähnlich denket,Und die, die gut getanzt, bewundert und beschenket.Wo Stutzer, Buhlerin, und mancher junge MannDie Kunst erlernt, daß er mit Anstand hexen kann,Die Kunst, die Deutschland sonst als einen Abscheu kannte,Und die, die sie geübt, als Zauberer verbrannte,Dies alles singt mein Lied. Und dir, ehrwürd’ger Geist,Der du bei Teufeln auch noch immer Doktor heißt,Ehrwürd’ger Doktor Faust, du sollst, mir Stoff zu geben,Jetzt meine Muse sein und meinen Vers beleben.Durch manche Zauberei verewigtest du dich,Wer Zaubereien singt, wünscht deinen Einfluß sich,Begeistre meine Brust, trotz denen, die dir fluchen,Und dich beim Luzifer und den Verdammten suchen.Vergebens fabelt man, daß einst der Teufel kam,Für deine Zauberei dich bei dem Mantel nahm,Die Lüfte durchgeschleppt, in Stücken dich zerteilet,Und mit dir in den Pfuhl der vor’gen Nacht geeilet.Laß, da dich Belzebub dem Blocksberg zugeführt,Wo deine Kunst durch ihn gefällt und präsidiert;Laß mir durch deine Kraft ein Zauberlied gelingen,Und mich von jener Nacht und ihren Wundern singen.
Es saß dem Belzebub der Doktor Faust zur Linken,Er schenkte fleißig ein und half ihm tapfer trinken,Bis daß des Nektars Kraft in jede Seele drang,Die Geister vivat schrien und Faust ein Trinklied sang.
So lang’ ich mich noch frisch auf meinen Beinen fühle,Genügt mir dieser Knotenstock.Was hilft’s, daß man den Weg verkürzt?Im Labyrinth der Täler hinzuschleichen,Dann diesen Felsen zu ersteigen,Von dem der Quell sich ewig strudelnd stürzt,Das ist die Luft, die solche Pfade würzt!Der Frühling webt schon in den Birken,Und selbst die Fichte fühlt ihn schon,Sollt’ er nicht auch auf unsre Glieder wirken?
„Feuer, Feuer, brenn’ geschwind, brenn’ geschwind,Und vertreib’ vom kleinen Kind, vom kleinen Kind,Phurüsche (Erdgeister), Nivaschi (Wassergeister) auchSoll vertreiben jetzt den Rauch!Gute Urnen (Feen) lock’ herbei,Daß dies Kind gesegnet sei.Hier auf Erden, hier auf ErdenSoll es glücklich, glücklich werden!
Besenruten, Besenruten,Und noch einmal Besenruten,Besenruten, Besenruten,Und noch einmal Besenruten,Leg’ ich in die Feuersgluten!Feuer brenne nur geschwind,Hör’, es weint ein kleines Kind!“
„Wann mien Katriene nich danzen will,Dann woat ik, wat ik doo,Dann stopp ik se in’n HabersockUn bind am baben to.
Un wenn se denn noch beden deiht:Ach, lebe Korl, maak up!Dann nehm ik mien BessensteelUn slaag dor baben up.“
Schlap, Kindke, schlap,Buten steht e Schap,Buten steht e bunte Bock,Dei ett all unnütte Kinnekens op,Schlap, Kindke, Schlap!
„So Ehre denn, wem Ehre gebührt!Frau Baubo vor! Und angeführt!Ein tüchtig Schwein und Mutter drauf,Da folgt der ganze Hexenhauf.“
Modonna mia,Fammi figliar la frisinghella mia,E sanamente,E felicemennte,Partorisse sette porcelli,
Quatro chirilli e tre frisinghelle,E a dispetto del demonioUno intendo portarne a San Antonio.
„Antonius, der sew muß hüten,Das nit der wolff dawider wüten,Drumb man jm in den stedten hegtEin Schwein, das seine Schellen trägt.“
Wühlet emsig an der StelleEin Brünnlein auf, gar rein und helle,Und wühlt mit Schnaufen und mit SchnüffelnDaraus hervor ein Häuflein Trüffeln.
Der heilige Antonius voll Preis und Dank,Setzte sich nieder, aß und trank,Und sprach gerührt: „Du gutes Schwein,Du sollst nun ewig bei mir sein!“
So lebten die zwei in EinigkeitHinieden auf Erden noch lange Zeit.Und starben endlich, und starben zugleich,Und fuhren zusammen vor’s Himmelreich.
„Au weihgeschrie’n! Ein Schwein, ein Schwein!“So huben die Juden an zu schrei’n,Und auch die Türken kamen in SchaarenUnd wollten sich gegen das Schwein verwahren.
Doch sieh’ – aus des Himmels TorTritt unsere liebe Frau hervor,Den blauen Mantel hält die Linke,Die Rechte sieht man sanft erhobenZum freundlich ernsten Gnadenwinke;So steht sie da, von Glanz umwoben.
„Willkommen! Gehet ein in Frieden!Hier wird kein Freund vom Freund geschieden,Es kommt so manches Schaf herein,Warum nicht auch ein braves Schwein!“
Da grunzt das Schwein, die Englein sangen;So sind sie beide hineingegangen.
Zill, der Apokalyptikus,Bewieß mit einem tapfern Schluß,Daß einstens mit den FrommenAuch Tiere in den Himmel kommen.„O“, schrie ein altes Weib und freut’ sich inniglich,„O, welch’ ein Trost für mich und dich!“
Heil dir, geborstetes,Ewig geworstes,Dutzend geborenes,Niemals geschorenesLiebliches Schwein.
„Betrachte sie genau,Lilith ist das! Adams erste Frau;Nimm dich in acht vor ihren schönen Haaren,Vor diesem Schmuck, mit dem sie einzig prangt;Wenn sie damit den jungen Mann erlangt,So läßt sie ihn sobald nicht fahren.“
„Hin laufe ich traun auch mit umher,Und nimmt mich groß Wunder,Weß ihr auch habt vermessen,Daß ihr meiner habt vergessen,Und kann ich doch gar höflich geschrecken,Und will an den Reihen gelecken,Und kann ich gar weidlich schwanzen,Und mich verdrehen an diesem Tanzen,Darum sollt ihr nicht mit mir grunzen,Laßt mich auch schütteln die alten Runzen,Und laßt mich auch helfen singenUnd meine rostige Kehle erklingenBei dem edlen guten Gesang,Deß sollt ihr allweg haben Dank.“
Es geht durch die Geschichte der MenschheitVon Anbeginn uralte SageVon eines Weibes Wunderherrlichkeit.Die hat der Lebenden keiner geschautAls einer allein, denn mit dem ersten Manne,Doch vor der ersten Gattin war sie da.Sie hieß Lilith. Die wandelnde Sonne,Als sie zum erstenmal ihre SchönheitErblickt, hielt inne, und Sterne brachenDen Bann des Tags und leuchteten seligAuf ihre Stirn. Es kamen die Winde,Das Meer und die Luft und der Blitz, und sie legtenGefangen sich in Liliths Hand. Da tratIhr Fuß beherrschend die Rinde des Erdballs,Und Blüten umwogten ihr königlich HauptIn glühenden Farben. Da wehte ihr AtemBelebenden Hauchs in die Kelche, und VögelErhoben sich schmetternd, buntglänzende Falter,Aufjauchzende Stimmen durchklangen der WildnisVerstricktes Gewirr, denn ihr folgte das Leben.Und mit den Augen, drin des Weltalls ewigesGeheimnis lag, sah Lilith auf sie niederUnd ein zitternder Schauer durchlief die Schöpfung.
Im Baumeswipfel verlangend bebteDas Blatt; es streckte begehrend die BlumeZum Nachbarkelche goldarmige Fäden;Mit blühenden Gliedern verschlang sich das Leben,Und ein ungeheurer, ein jubelnder Schrei,Wie einer unendlichen Lippe Dank,Brach zum erstenmal wonnetrunkenZum Himmel auf. Nur Lilith blieb stumm;Ihr Auge überflog der eignen SchönheitMillionenfachen Abglanz, und mit unermeßnerSehnsucht sah sie empor. Da öffneteZum zweitenmale sich des Himmels Wölbung,Und in das Paradies, nach Gottes BildGeschaffen, trat der erste Mann. AufglänztenWie Weltallssonnen die Augen Liliths;Sie hob sich empor und streckte die Hand,Und die Allesbeglückende beugte die KnieUnd bat: „Sei mein.“ Ihm aber graueteVor ihrer Schönheit und dem heißen DurstDer Augensterne, und er floh und rief:„Gib, Vater, mir ein Weib, nicht eine Göttin!Gib mir ein Wesen, das, untertan,Dem Manne gehört, nicht ihm der Mann;Gib mir eine Mutter des Menschengeschlechtes,Die willig empfängt, doch nimmer begehrt!“Er rief’s, und Eva stand an seiner SeiteUnd schmiegte furchtsam und in Scham errötendDie Stirn an seine Brust. – Da bebte jähDer Erde Grund. In wahnsinnswildem KrampfVerzerrte sich das Götterantlitz Liliths,Von ihrer Stirne schwand der Sonne Glanz,Die erste Nacht umfing mit kaltem SchauerDer Erde Rund, und Liliths Aug’ entströmteDie erste Tränenflut, der erste bittre TodVon tausend Leben. – Doch im FelsenbettDer sicheren Grotte flüsternd feierteDas erste Menschenpaar die erste Brautnacht.Nicht war es die Sonne, die glühenden BrandsVerlangen goß in der Glieder Umarmung,Der bleiche Mond durchfloß mit kühlem Schein
Die Werkstatt eines kommenden Geschlechtes.Zum erstenmal liebermüdet lagDie Welt, und Schlaf bedeckte ihre Lider.Da vom einsamen Wolkenzipfel des Bergs,Auf den sie geflüchtet, erhob sich Lilith;Sie warf um den Nacken den Mantel des Traums,Und unhörbaren Schritts in das HochzeitsgemachTrat sie ein und beugte sich über das BettDer schlummernden Gatten. Und langsam streckteSich ihre Hand und griff das goldene HaarAn ihrer Schläfe, und des Mundes HauchVerwehte es, und wogend stand ein Kornfeld,Und durch die Ähren ging der Sommerwind.Und mit der Hand die rätselhaften AugenBerührte sie, da wölbte der ÄtherHoch über der Ferne sein blaues Geheimnis,Und gleich dem Kummer auf Liliths StirnZog Wolkenschatten daher und verschwand –Und sie regte die Lippen zu unverstandenem,Leisklagendem Wort, und weiter rauschtenDie Baumeswipfel den dunklen Klang;Der Bach vernahm ihn, die murmelnde Quelle,Und auf gewaltigen Rücken trugDas Meer ihn fort von Gestad’ zu Gestad’ –Und Lilith sprach und ihre Stimme bebte:„Unglücklicher Sohn in der Mutter Schoß,Unselig Geschlecht, dich stieß die HandDes Ahnherrn aus dem Paradies.Du schläfst und Jahrtausende schlummern in dir –Ich zürne nicht dir, bleichwangig Weib,Mit Weh gebären wirst du die MenschheitUnd blühen und welken in Furcht und Begier,Die Flamme des Himmels, die ich euch bot,Ihr werdet sie stehlen, und zitternd in MachtWie Diebe verbergen den heimlichen Raub;Das ewige Hohe, ihr werdet’s verändern,Das Reine beflecken, das Göttliche schmähn.Denn, lang umirrend vom Tag der Geburt,Mich werdet ihr suchen, so viele ihr seid,Ob wie Körner des Sands, wie Wellen im Meer.
Mich, die zu eurer Mutter der RatDes Anfangs schuf, die mit zagender HandVom Herzen zurück euer Ahnherr stieß.Doch wird mich fürder keiner erschaun,Und keinen Geborenen führt der WegZurück in die Heimat, die ich euch bot.Mir bleibt nur das eine, als Mitgift euchZu leihen, daß manchmal ein ahnender StrahlDes verlorenen Glücks eure Seele beschleicht –Im Windesflug und im Wolkenzug,Im undendlichen Blau und im wogenden Halm,Im murmelnden Quell und im rauschenden MeerDa streift ihr mein Haar und da wehet der HauchMeiner Lippen euch an.“ – Und eine Träne fielAus Liliths Aug’ und brannte auf der StirnDer jungen Mutter. Es überkamDas einsame Weib mit unendlichem Bangen,Und sie griff in die heiße, verlangende Brust,Und die ungeheure, die jamernde SehnsuchtWarf sie hinein ins enge Menschenherz,Das vor ihr in der Mutter Schoß empfangen,Und rief; „Ich geb’ sie jedem, der mich sucht,Zum Fluche, daß er elend sei wie ich!Zum Segen, daß er götterähnlich sichIm Schmerze fühl’ wie ich!“ – Sie rief’s und floh.Auf fuhr verstört das erste MenschenpaarAus schwerem Traum. Im Schweiß des AngesichtsWarb es sein Brot, und dunkle Sage klingtNur hie und da im Menschenleben aufVon eines Weibes Wunderherrlichkeit,Das eine qualverstummte MenschenbrustMit überirrdisch wilder Glut verbrannte,Und ihre Asche zu den Göttern trug.
„Sieh dort der mondbeglänzten Wolke Segel,Die wie ein Schwan sich fiedert und sich sträubt,Und unter ihr den steilen Felsenkegel!Herodes Burg Machärus krönt sein Haupt,Dort überm Abgrund steht ein Fenster offenUnd in der Kammer schläft auf seidnem PfühlEin Menschenkind, wie keins ich je getroffen,So schön, so flammend heiß und doch so kühl.Ein süßes Schlänglein, glatt und jung und böse.So schlimm, daß ich nichts mehr dazu vermag,Und wenn ich meinen eignen Gürtel löseUnd gürte sie, bei der ich kosend lag.Die Irdische, wie ist sie meinesgleichen!Zum ersten Male fühlt’ ich was wie Neid.Dies Kind wird Ruhm wie noch kein Weib erreichen,Wird Menschen töten, brechen jeden Eid,Und wird, wenn lachend sie den ErdensöhnenVom Rumpf die Häupter mit dem Fächer schlägt,Sich hohnvoll recken, weil das letzte StöhnenDer Sterbenden noch Liebesseufzer trägt.“
„Salome.Die Tropfen alten Fürstenblutes gärenAls Gift in ihres Leibes zartem Schnee.“
„Ich schmiegte mich an ihn – an sein Gewand,Und da ich’s rauh an meiner Lende spürte,Fragt ich: Du weißt wohl nicht was seiden ist?Er schüttelte das Haupt. Mit neuer ListHub an ich: Grüne Seide sind die Wellen,Wenn übern See ein Morgenlüftchen wehtUnd Mädchenbusen ihm entgegenschwellen.Er hauchte leis vor sich: Genezareth.Wie? rief ich, das auch hast du nie ergründet,Wie eines schönen Weibes Busen wallt?Doch was ein Apfel ist, der reif sich rundet,Das weißt du doch? – Er schwieg und blickte kalt.Und schmeichelnd sang ich in sein Ohr: Die BirnenBereiten süßen Honig auf der Flur;Mit meinen Lippen doch obsieg ich ihnen
An Süßigkeit, o wüßtest du es nur!Jetzt endlich hob das Haupt er, und es ruhteSein Blick auf mir. Du armer, irrer Geist,Nichts sprach er sonst – nur langsam die vier Worte:Du armer, irrer Geist – und sah mich an.Und jählings’ schaut ich wie durch eine PforteEin Land so licht, wie ich’s nicht sagen kann.Es war der Strahl, denk’ ich, aus seinen Augen,Der bei dem Wörtchen „arm“ mich übergoß.Doch nie, fühlt’ ich, werd’ in dies Land ich taugen,Als er mit „irrer Geist“ die Rede schloß.“
„Doch hofft er sie gehorsam, seit er ein GewandVornehmer Schönheit ihr verschafft am fernen Strand.Es ist der Dolchstichtaube wundersames Kleid,Die in den Tropenländern Luzons nur gedeiht.Reich spielt des weichen Mantelflaumes SeidenglanzIn Farbenlust bei wechselvollem LichtertanzVom rosenroten Schimmer zum smaragdnen Grün.Doch mitten auf der weißen Brust mit tiefem Glühn,Als wärs ein Tropfen Blutes, prangt ein winz’ger Schild,Ein purpurrotes Mal und seltsam täuschend Bild,Das an die Wunde eines weißen Busens mahnt,In den ein Dolch sich mörderisch den Weg gebahnt.
Wie ein Symbol der Liebe, die oft grausam macht.Scheint dieser purpurrote Federschmuck erdacht.Der keine Wunde birgt, doch mit der Wunde ScheinVerwegne Scherze treibt und Spiegelfechterein,Fast so, als wollte prahlen, salbungsvoll Natur,Am Ende sind auch meine Wunden Wunder nur.“
„Sie scheint verwundet.Oder – seh’ ich recht? –Ist’s Zierrat? Ist’s nicht Blut? Ein Zeichen gar?An was es nur mich mahnt?Einst sprach ein Greis,Als ihm ein Weib ihr neugeboren KnäbleinIm Tempel wies: Um diesen wird ein SchwertDurch deine Seele dringen. – Will dein SchmuckErinnern mich an dies Prophetenwort?“
„Bist du ein Himmelsbote, bist ein SpukDer Hölle du? Ein Truggespenst der Wüste,Wie jener blanke Mittagszauber jüngst.Der irre Geist in sünd’ger Weibeshülle?Was meint der Ring? Du willst, daß ich ihn nehme?Wenn ich wüßte,Von welcher Art dein Wesen.Eine Taube …Damals im Jordan – zu den WellenDes Flusses hielt gesenkt ich meinen Blick,Als auf des offnen Himmels BläueDie Taube niederschwebte, die von andern,Von mir nicht, ward gesehen.Warst du die Taube? – Du bejahst!Doch etwas blinkt in deinem Aug’: Ich lüge.Was soll ich denken? Wo bleibt jene Stimme,
Die mit der Taube damals war? – Du schweigst.Wie immer alles schweigt.Nun ja, der Ring –Du machst mir neue Zeichen, ihn zu nehmen.Und wenn ich’s tu und wenn ich an den FingerIhn füge, hör ich wieder dann die Stimme?Bejahung weht dein freudiger Flügelschlag.Ich sehe, was du meinst:Der Ring erlöst mich von der großen Stille.“
„Da kehrt ins irdische GefildDer Herr mit dem lieblichsten Wunderbild;Wie er’s erschuf, ist uns verborgen.Es strahlt wie Paradiesesmorgen,Vom Scheitel fließt ihm Sonnengold,Zwei Flüglein hat’s, noch aufgerollt.Wie junge Blätter unentfaltet.Als Adam dies Gebild erschautSpringt er vom Boden mit Jubellaut,Begreifend, daß dies WonnewesenIhm zur Gefährtin auserlesen.Und stracks hebt er zu tanzen an,Just wie ein balzender Auerhahn,Den Hals gereckt, auf Zehen schwebend,Die Arme wie zwei Flügel hebend.So turnt er vor ihr auf und niederUnd zeigt die Pracht ihr seiner Glieder,Kreist immer näher um die Neue,Die an den Herrn sich schmiegt mit Scheue.Doch mählich wird auch sie beherzt.Ein Schalk aus ihren Augen scherzt,Sie schwebt ihm entgegen, flieht und kehrtUm ihn, der wie ein Kreisel fährt;Dann plötzlich hinter des Meisters RückenEntzieht sich listig Adams Blicken,Der in ein Jammerbild erstarrt;Bis sie zur Genüge ihn genarrtUnd wieder kommt. – Da in EkstasenWirbelt er auf, und unterm RasenSchlägt er zur Erde, umfaßt ihr Knie,Und Lilith, Lilith! nennt er sie.“
„Ja, aufwärts! Hoch bis über die Sterne.Über euch alle in Weltenferne,Auch über dich, so hell du scheinst,An meine Seite steigt dereinstDer Mensch – er aller Sonnen Sonne,Mit der Gottheit teilend die Schöpferwonne,Von allen Erschaffnen er alleinGewürdigt, mein Genoß zu sein.Ihn schloß ich nicht zu dauernder HaftWie euch in eine Eigenschaft,Daß, wie ihr tönend um mich schwingt,Jeder nur seine Stimme singt.Ihm hab’ ich zu dem Fünkchen LebenDie Orgel mit allen Registern gegeben;Der Tierheit und der Gottheit Triebe,Die Himmels- und die Erdenliebe,Das Fürchten, Sehnen, Hoffen, Hassen,Ihm das Erröten und Erblassen;Die Kühnheit und die Schüchternheit,Die Trunkenheit, die Nüchternheit,Das Süßeste, das Bitterwidrigste,Das Höchste ward ihm und das Niedrigste;Die Weisheit und die Narretei,Der Ernst, das Spiel, die Raserei,Des Nordpols Eis, des Kraters FlammenWohnen in seiner Brust zusammen,Der ich den Schöpferhauch vertraut,Mit dem er zu mir den Weg sich baut.Nicht er: in Tagen, die ferne sind,Seiner Kinder spätestes Enkelkind,Auf Vaters Schultern tritt der Sproß,Von Adam, dem armen Erdenkloß,
Bau ich durch Lilith eine LeiterZum höchsten Sitz des Himmels weiter.Drum hab’ ich die Freundin ihm gepaart,Halb von seiner, halb von eurer Art,Daß sie mit Liebesdorne,Ihn wecke, stähle, sporne,Er zu massig, sie zu fein,Unvermögend jedes für sich allein.Ihr gab ich keine irdischen Waffen,Sie soll begeistern, er soll schaffen,Von ihm die Kraft, die Felsen spaltet,Den festen Sinn, der ordnend waltet;Von ihr die Flamme stets bewegt,Die Unruh, die das Uhrwerk regt.Ob sie über Blumen sich tändelnd wiegt.Auf Wolkenrossen jauchzend fliegt,Wo sie erscheint, muß alles blühn,Was sie berührt, wird frisch und grün,Und Liliths Mund kann nimmer lügen,Wohin sie irrt, auf Fabelflügen,Der träge Riese muß ihr nach“.
„Gesegn’ euch diese Schäferstunde!Du, Eva, meines Geistes Kind,Vollziehst getreulich, was mein Haß ihm sinnt,Daß, wo ihm Lilith durch ihr hold Gewähren,Den Frieden gab, draus Schaffenswonne fließt,Du schwer und schwerer durch ein dumpf Begehren,Zum Staub, dem er sich kaum entrungen, ziehst.Du wirst fruchtbar sein und dich mehren.Aber keinen Halbgott gebären.Und er aus leerem Sinnenglück
Fällt an die Erde, draus er stammt, zurück.Genießet denn und nehmt mein Wort dazu:Vor euren Erben hab’ ich Ruh.“
„Dir standen alle Wege offen,Du hast die Wahl des schlechtesten getroffen,Die Liebe wollt ich dir zum Gefieder,Dich aber zog sie zum Staube nieder.Wer von der ersten Liebe ließUnd Liliths Gaben von sich stieß,Damit er Evas Gunst erwerbe,Verdient, daß sein Geschlecht verderbe,Doch Lilith hat für dich gebeten,Drum will ich dich nicht ganz zertreten.Dich rettend schafft dir mein GebotEine neue Treiberin: die Not.Verwüstet hast du Edens GartenUnd kannst nicht länger seiner warten,Ich geb’ dir Sitz auf rauhrer Stätte,Nicht wandelst du fürder auf Rasenglätte,Am Pfluge schaff’ den Deinen Brot.Den Fluch leg’ ich auf deine Plage,Daß dein Acker dir Dornen und Disteln trage!Um dich, als Erbe deiner Mühn,Soll rauhe Kindersaat erblühn,Denn Evas Schoß, mit Fluch geschlagen,Wird einen Brudermörder tragen,In dieser Frevelnacht gezeugt,Der Blut der Mittgeschöpfe zeugt,Der wird der Menschheit Vater werden,Aus ihm verbreitet sich auf Erden
In immer wachsendem Geflecht,Zahllos ein wölfisches GeschlechtAus Söhnen, Enkeln, Enkelweibern,Das niemals Liliths Schleier sah,Mit Fleisch genährt, der Scholle nah,Sie düngend mit erschlagnen Leibern.Zuletzt nach all der Not und Pein,Wird noch dein Ende bitter sein.Hier wärst du schmerzlos wie ein TraumAm Ende geglitten vom Lebensbaum,Und hätt’st dich selber noch im Sterben,Verklärt gesehn in deinen Erben,Die dicht sich drängend, Frucht an Frucht,Um dich gewachsen in Edelzucht,Dein Werk zu höherem Vollenden,Dir nehmen aus erstarrten Händen“.
Die Hölle schaff’ in deiner eignen Brust,Im Glückzerstören fandst du deine Lust.Das Böse sättigt nicht, drum sei verdammt,So fortzuwüten ewig, haßentflammt,Du Stolzester, bleib du ein Schlangenleib,Im Staube kriechend bei dem Weibe bleib.Lehr deine Künste sie, die trügerischen,Lehr der gespaltnen Zunge DoppelzischenLehr sie, wie man verbundne Herzen trennt,Das Schöne häßlich, wahr die Lüge nennt.Wo Bruder wild den Bruder schlägt, wo SchwesternUm Mannesliebe tötlich sich verlästern,Wo Eide brechen, wo die Treue weint,Da wohn’ und schwelge du, dem Weib vereint;Ihr dienend sei du Herr im Erdenkreis,Ich geb dir Adams ganzen Samen preis“.
„Komm, Schuldgenossin, die mir noch geblieben,Zu meinem Fluch muß ich dich weiter lieben,Denn du bist Ich,Der Teil von mir, der niederzieht zum Staube –Der andre noch,Der meiner Jugend Reinheit war und Glaube.Auf ewig schließt sich hinter uns die Tür;Du, die ich teuer zahlte, folge mir.“
„Verklagst du den Himmel wie ein Gerechter,Da wo dein Werk dich selber schmäht!Sämann der künftigen Geschlechter,Auf welchen Boden hast du gesät!Wasch nicht vom eignen Tun die Hände,Dich zog der Erdenstoff zu schwer,Und die Genossin zog noch mehr.Das Stückchen Du aus deiner Lende,Nun wirkt’s in deinen Söhnen fort,Im engen Kreise Dumpfheit, Wollust, Mord.Des Geistes Schwingen, die dir Gott verlieh,Dir Kind der Erde, wo sind sie?Der Bauch ist Herr, im Bissen aller Heil,Der Bruder schielend nach des Bruders Teil,Das Raubtier Selbstsucht, das zum Sprung bereitDen Zahn wetzt nach der schwachen Redlichkeit.Und deine Töchter – arge Zucht!Des Treuebruchs erlesne Frucht!Den Stunden deiner trübsten Gier entsprungen,
Mit Honigsüße auf den Natterzungen,Ihr Kosen, Locken, Taubengirren,Ihr lechzendes Um-den-Gebieter-schwirren,Davon sein niedres Teil entbrennt,Ihr schlangenhaftes Ineinanderwirren,Bis Wahr und Falsch kein Gott mehr trennt,Mannsräuschlein, nur geschickt zum Fange,Gelehrige Schülerin der SchlangeDas Weib, das Eva Mutter nennt.“
Die Liebliche lebt in Eden bloß als Sage,Ein hold Erinnern erster Frühlingstage,Denn wenn der Regenbogen scheint,Sagen die Kleinsten: Lilith weint.Doch scheidend ließ sie noch ein Glück,Ein unverdientes, dir zurück.Vernimm: Gesegnet war ihr Schoß,Draus rang sich ein holdes Knäblein los.Ich selber trugs zum Paradiese,Lehrer sind ihm die Cherubin,Wollige Schäflein mit goldnem VließeSpielen mit ihm,Ein Seraph kämmt ihm die sonnigen Härlein,Erzählt ihm seiner Mutter MärleinDes Kindes Aug’ ist Sonne ganz,Zuweilen nur ein Traum von Schmerzen,Geschöpft aus trauerndem Mutterherzen,Dämpft hold verschleiernd seinen Glanz.“
„Gott wird ihn, wenn die Zeit erfüllt,Zu seiner Bastardbrüder SegenIn eine irdische Wiege legen,Damit er, ganz in Licht gehüllt,Ihr Führer werd’ in ihrer Blindheit,Er bringt was deinem Stamm entglitt,
Den Schleier Liliths wieder mit,Der jeglich Ding, das er umwebt,Verklärt in lichte Farben hebt.Und wenn die Menschheit, spät erleuchtet.Sich näher zur Vollendung ringt,Vom Segen ist’s, den er ihr bringt,Mit Schweiß und oft mit Blut befeuchtet.Sein Fußtritt wird der Schlange Haupt zerbrechenSie aber wird ihn in die Ferse stechen;Denn Evas Kinder, die ins Joch gebeugten,Hassen von Mutterleib den Lichterzeugten,Sie werden ihn fesseln, den Weg ihm sperren,Ihn auf den Pranger, die Schlachtbank zerren,Vergeblich doch! Weil nach dem letzten SchlußDer Lilith Blut auf Erden herrschen muß.So oft Gott will, daß der Gang der ErdeUm einen Ruck gefördert werde,Erweckt er unter dumpfem TroßEinen, der Liliths Blut entsproß.Und immer wird er wiederkehren,Verfolgung, Marter schreckt ihn nicht.Als Forscher sucht er in den SphärenDer Wahrheit unertrüglich Licht.Er kommt als Held, wenn Völker bluten,Als Seher, wenn der Glaube schwand.“
Hör unsern Eid:Wir stehn bereitIhn zu verfolgen mit Dolch und Gift,Mit Verrat, der schwärzer trifft,Über seiner Asche ihn noch zu lästern.So oft der Lilith Sohn erscheint,Empfangen werd’ er als dein und unser Feind.Gegen ihn gerüstet,Stehen wir alle vereint,Ihn wegzuziehen von seinem Ziele.Tröste dich Mutter,Er ist einer, und wir sind viele“.
„O mit den Marmorwimpernpaar, dem nimmerFür uns hinieden Tränen sich entstehlen,Du Antlitz, dessen Flammen uns umschwelen, –Wir knien vor deinem ewig starren SchimmerUnd küssen deine Ketten, bind’ uns grimmer,Nur laß es, Fürstin, nicht an Mitleid fehlen:Durch einen Radschwung gib den schwachen SeelenTötlichem Weh traumlosen Schlaf für immer!Selig, wenn liebreich deine heiligen HändeDen dunklen Becher an die Lippen setzten,Wenn du den Todestrank gemischt, den kühlen, –Im Sterben wird er deinen Atem fühlenAuf seiner Stirn, matt lächelnd noch den letztenTranktropfen sprengen, dir als Gruß vorm Ende“.
„Thy son, o Eve, is dead! Thy Abel dead!For Cain with his own hand hath struck him down.And I–I, Lilith, daughter of the night,Thy Adam’s once – beloved, have compassed this.This miracle is mine, thy birth of Death!I taunt the, Eve, for vengeance now is mine!“
Löb Hersch.So hat Aäm Niemand noch gequeeltAls wie der alte Bienedhal:Dieselwig Anekdod verzehlt,Die hat err ääm finfdausendmal.
Un war merr noch so grobb un werrschUn dhat mit Hänn und Fieß sich wehrn,Sei Anekdod vom „Löbche Hersch“Die kraag merr widder doch ze heern.
Zeletzt war’sch net mehr auszestehUn länger ze ertrage net,Drum dhat merr zu seim Parre geh,Daß der em in’s Gewisse reddt.
Der Parre hat deß ääch gedhaaUn waart his morje net emal;Gleich gung er hi und redt an aa:„Gun Dach, mein lieber Bienedhal.
Ich hör, was mir erfreulich is,Und wann ich recht berichtet bin,Daß Sie e großer Freund gewißVon neue Anekdode sin.
Hier haw ich Ihne mitgebracht,Die allerneust, gedankenreich,Die lese se merr mit Bedacht,Un dann verzehln Se se gleich.“
Der Parre gung. – For Frääd ein KritschHat dann der Bienedhal gedhaa,Und setzt dann schnell sich an sein TischUn fing da gleich ze lese aa:
Kommt ein Mäuschen,will ins Häuschen,da ’nein, da ’nein!
Die Schneider gingen zur Herberg ’nausUnd hielten dort einen großen Schmaus,
Es aßen 999Von einer gebratenen Maus.
„Feuer, hier bring ich dir an beinern Zahn,Mach mir wieder an eisern dran“,
Pretty John Watts,We are troubled with rats.Will you drive them out of the house?We have mice, too, in plenty,That feast in the pantry;But let them stay,And nibble away:What harm in a little brown mouse?
War einmal eine Maus von adligem Geschlecht, NatonGenannt, erzogen bei Boullion in Pension.Sie lebte drauf für sich nach einem noblen Plan,Fern von der Stadt in einem alten Parmesan.Da trifft sie eines Tags den Herrn von Katzenklar,Den Kater, der der Abgott aller Katzen war.Kaum sieht er ihn, so macht sich Herr Naton – wer zweifelt dran? –Bereit, das Fersengeld zu zahlen, was er kann,Da ruft ganz sittsam ihm, indem er tief zur Erde blickt,Mit einer Heuchlermine und den Kopf gebücktDer Kater zu: Was laufen Sie, mein Herr, denn so geschwind?Was fürchten Sie von mir? Jag’ ich Sie in die Flucht?Der Mäuse Bestes nur hab’ ich seit langer Zeit gesucht,
Und Gott ist Zeuge, wie unendlich teuer Sie mir sind.Ich weiß, wie viel die Brüder an den Mäusen oft verübt,Und diese haben recht, wenn ihr Benehmen sie betrübt.Allein mir tun Sie unrecht, Herr! Ich kam, sie zu beschützenVor ihnen. Ist’s gefällig, meinen Beistand zu benützen?Ich esse keinen Bissen Fleisch; ja, so es Gott gefällt,Werd ich ein Mönch in kurzer Zeit und scheide von der Welt.Wie schön war das gesagt. Herr Naton, ganz bekehrt,Weil er bei Gott und allen Heil’gen schwört,Bat ihm sein Unrecht ab und lud ihn ein,Des ganzen Mäusevolkes Freund zu sein.Von Loch zu Loche führt er ihn und stellt ihn vorAls einen Freund, der ihr gut Glück für sie erkor.Wie jubelten sie alle auf! Wie freuten sieSich. – Mäuse schließen gern nach der Physiognomie,Und in des Fremden Mienen war – man muß gestehn –Kein einziger, verdächt’ger Zug zu sehn.Doch eines Tages, als sie gaben einen Ball,Bot man ihm Pökelzunge an und Kaschkawall.„Ich faste heut“, sprach er, „und darf dergleichen nicht genießen,Doch wünscht’ ich, meine Freunde an mein Herz zu schließen.“Was wars für ein Umarmen! Welch ein Küssen!Wem er die Lippen reicht,Der ist im Nu erbleicht.Kaum wurden drei dem Tode durch die Flucht entrissen. –Der Kater, der so sanft und mild,Er ist – des Heuchlers Bild.
(Uebersetzt von Schuller.)
’s war mal ’ne Katzenkönigin,Ja, ja!
Die hegte edlen Katzensinn,Ja, ja!Verstand gar wohl zu mausen,Liebt’ königlich zu schmausen,Ja, ja! Katzennatur!Schlafe, mein Mäuschen, schlafe du nur!
Die hatt’ ’nen schneeweißen Leib,Ja, ja!So schlank, so zart, die Hände so weich,Ja, ja!Die Augen wie Karfunkeln,Sie leuchteten im Dunkeln,Ja, ja! – Katzennatur!Schlafe, mein Mäuschen, schlafe du nur!
Ein Edelmausjüngling lebte zur Zeit,Ja, ja!Der sah die Königin wohl von weit,Ja, ja!’ne ehrliche Haut von Mäuschen,Der kroch aus seinem Häuschen,Ja, ja! Mäusenatur!Schlafe, mein Mäuschen, schlafe du nur!
Der sprach: In meinem Leben nicht,Ja, ja!Hab’ ich gesehen so süßes Gesicht,Ja, ja!Die muß auch Mäuschen meinen,Sie tut so fromm erscheinen,Ja, ja! Mäusenatur!Schlafe, mein Mäuschen, schlafe du nur!
Die Maus: Willst du mein Schätzchen sein?Ja, ja!Die Katz: Ich will dich sprechen allein,Ja, ja!Heut will ich bei dir schlafen –
Heut sollst du bei mir schlafen –Ja, ja! Mäusenatur!Schlafe, mein Mäuschen, schlafe du nur!
Der Maus, der fehlte nicht die Stund’,Ja, ja!Die Katz’, die lachte den Bauch sich rund,Ja, ja!Dem Schatz, den ich erkoren,Dem zieh’ ich’s Fell über die Ohren,Ja, ja! Katzennatur!Schlafe, mein Mäuschen, schlafe du nur!
Seid mir gegrüßt an meines Thrones StufenIhr edlen Ritter von den Pferdehufen!
Wie freu’ ich mich, daß ich hier auf der HöhSo zahlreich Euch um mich versammelt seh’.Und nicht blos Teufel, alte Blocksbergfexen …Ich seh’ die schön’re Hälfte auch – die Hexen.Es ist Walpurgis heut. Da kommt Ihr gernZum Hofgelage Eures gnäd’gen Herrn;Ihr wißt, der Satan, ich, das alte Ferkel,Halt’ heute Nacht hier oben Cercle. –
Was wollt Ihr nun? Denn so von ungefährKommt ja doch keiner von Euch zu mir her.Ihr hütet Euch, in solcher kalten Nacht,Die jeder sonst im Bette zugebracht,Auf Euren Besen langsam fortzuholpernUnd über Ast und Felsgestein zu stolpern;Dazu ist Euch der Weg viel zu beschwerlichUnd das gewohnte Lager nicht entbehrlich.Wenn Ihr so Stunden wandert durch den Dreck,Dann habt Ihr einen ganz bestimmten Zweck.
Was wollt Ihr, frag ich, hier bei Mondenschein?Verlangt Ihr frische Salben, Arzenei’n,Die Menschen unten damit zu kurierenSo lange, bis sie endlich dran krepieren?Davon seht ab. Die Zeit ist nun vorüber …Denn jetzt besorgen das die Aerzte lieber.Im Mittelalter konnte man Euch brauchen,Und Euch dafür die Knochen noch verstauchen.Heut machen all’ dergleichen die Doktoren …Und haben noch kein Glied dabei verloren.Wenn Euch mal früher eine Kur mißraten,Ihr wurdet einfach auf dem Rost gebraten.Heut geben Aerzte manchmal Gift zu saufen,Und kommen doch nicht auf den Scheiterhaufen.’s ist menschlicher geworden in der Welt,Das ist es, was uns Teufeln nicht gefällt,Man nennt’s noch gar Zivilisation …Hör’ ich das blöde Wort, dann juckt’s mich schon.
Was aber treibt Euch sonst wohl zu mir her?Ist Näheres zu wissen Eu’r Begehr,
Wie’s in dem Himmel aussieht und der Hölle?Da seid Ihr grade an der rechten Quelle.
Im Himmel geht’s noch den gewohnten Gang –Mir wird mitunter schon die Zeit zu lang.Der Alte will noch immer triumphieren,Und auch, wie ehedem, das Szepter führen;Ich kann ihn immer noch nicht überzeugen,Daß meine Aktien bei den Menschen steigen.Doch gibt er zu, daß ich in letzter ZeitAn Macht gewonnen habe weit und breit.Drum sieht er mich auch nicht mehr spöttisch an …Er hat gemerkt, am Teufel ist was dran,Daß er im Menschenvolk sich arg geirrt,Gesteht er selber ein – so schwer ’s ihm wird.Und gab mir zu von diesen Menschenhorden,Sie wären allgemach zu klug geworden.Er scheute nicht, es unverschämt zu nennen,Daß manche ihn persönlich wollen kennen …Und andere sich nicht mal mehr bequemen,Den Hut respektvoll vor ihm abzunehmen.Sie möchten ihm so dreist die Hände reichen,Als wär’ er völlig einer ihresgleichen.Ein jeder Schuft, der Sünde auf sich lade,Streck’ nur die Arme aus und fände Gnade.Wenn einer bete, fänd’ er stets Gehör –Der Herr war gut … das paßt ihm nun nicht mehr.Kurzum, er ist gewillt, sich aufzuraffen,Und andre Menschenkinder zu erschaffen.Mir ist es recht – ich bin ihm immer über …Doch seid so gut und redet noch nicht drüber. – –
Was soll ich von der Hölle nun Euch sagen?Da geht es bunt zu – kaum noch zu ertragen.’s ist alles überfüllt – ein wahres Grauen!Kein Platz mehr da – wir müssen nächstens bauen,Da seht Ihr alle Stände im Gedränge,Und täglich mehr – der Raum ist viel zu enge.Ich sorge für Logis vor allen Dingen –Man muß doch seine Freunde unterbringen.
Die sich letzthin dort einen Sitz erkoren,Das waren meistenteils Bankdirektoren.
Doch haben unter unsern andern KundenAuch ein’ge Advokaten Platz gefunden.Sogar von Theologen spricht man schon …Ein fetter Bissen für ’nen Höllensohn.Viel kehr ich mich an die Gesellschaft nicht;Zur Ankunft grüß’ ich … das ist meine Pflicht.Ich halte dem Gesindel keine Predigt –Hab’ ich es drin, ist mein Geschäft erledigt. – –
Euch jungen Teufeln nun, die Ihr noch frei,Euch gönn’ ich heute jede Teufelei.Seht ihr ’ne Hexe, die Euch wohlgefällt,So trachtet, daß sie sich Euch zugesellt.Beweist Ihr, wie ein wohlerzogner Mann,Daß auch der Teufel menschlich fühlen kann.Und wenn dann über’s Jahr hier auf dem BrockenEuch meine Unkenrufe wieder locken,Bekennt mir Arm in Arm vor dem Altar …Daß sie für Euch die richt’ge Hexe war. – –
Ihr andern aber, die Ihr aufgestiegen,Ihr dürft nach Teufels Art Euch hier vergnügen.Walpurgis, heut dem Himmel abgeraubt,Uns nächtlich jede Schäkerei erlaubt.Für jetzt seid insgesamt Ihr eingeladen,Euch kräftig in dem Hexentrank zu baden.Auf! Seid nicht bange, daß zu toll Ihr’s treibt …Der ist kein Teufel, der heut nüchtern bleibt! – –
„Wir wollen von hinnen nicht gehen,Bis wir Bametin in Feuer sehen“.
„Ob die Alte, die Uraka,Wirklich eine ausgezeichnetGroße Hexe, wie die LeuteIn den Pyrenä’n behaupten
Will ich nimmermehr entscheiden.So viel weiß ich, daß ihr ÄußresSehr verdächtig. Sehr verdächtigTriefen ihre roten Augen,
Bös und schielend ist der Blick;Und es heißt, den armen Kühen,Die sie anblickt, trocknet plötzlichIn der Euter alle Milch.
Man versichert gar, sie habeStreichelnd mit den dürren Händen,Manches fette Schwein getötet,Und sogar die stärksten Ochsen.
Solcherlei Verbrechens wurdeSie zuweilen auch verklagtBei dem Friedensrichter. AberDieser war ein Voltairianer,
Ein modernes, flaches Weltkind,Ohne Tiefsinn, ohne GlaubenUnd die Kläger wurden skeptisch,Fast verhöhnend abgewiesen.“
Die Hexen zerstreuten den Mondstrahl bleich,
Tief seufzten die zitternden Winde,
Doch sie wußten es nicht, daß der kleine alte Mann
Flog hinter ihnen geschwinde.
Sie flogen zum Keller des frohen Carlisle,
Und sie traten so frei wie die Luft hinein,
Und sie tranken und tranken, sie konnten nicht mehr,
Des Bischofs uralten Wein.
Der gute, alte Mann, er ward so froh
Und er tanzt auf dem modrigen Grunde,
Und er sang die schönsten Lieder von Fife
Und taumelte rings in die Runde.
Und wieder und wieder zum Fasse er kehrt,
Und er sog und sog so lang,
Bis er schaute nichts mehr und die Zunge ward schwer
Und lallend die Stimme verklang.
Und die Hexen, sie tranken des Bischofs Wein
Bis sie spürten die Morgenwinde,
Und schwangen sich auf in die Lüfte zu Hauf
Und verließen den Alten geschwinde.
Und er schlief und er schlief in dem Keller so tief
Bis hoch im Mittagslichte,
[94] Bis auf ihn weckten fünf Engländer,Die schleppten ihn vor’s Gerichte.
Und sie stießen und kniffen den alten Mann,Und sie peitschten die alten Glieder,Bis das rote Blut in den Schuhen ihm stand,Und riefen, der Wein rinne nieder.
Und sie stießen und kniffen den alten Mann,Und er stand gebunden am Steine,Und sie häuften ein Feuer ringsherum,Und sie verbrannten ihm Fleisch und Gebeine.
Und sie wandten ihr Antlitz der Sonne zu,Mit staunendem Wundern und Grauen,Denn es kam ein Ding aus der Luft herab,Das dunkel und groß war zu schauen.
Der Vogel kam aus dem Lande von Fife,Und er kam mit Schrecken und Grauen,Und was war es als des alten Mannes Weib,Die kam, seinen Tod zu schauen?
Sie setzt’ ihm aufs Haupt eine Kappe so rot,Und froh blickt der Alte hernieder,Und sie wispert ein Wort ihm in das Ohr,Und hub in die Lüfte sich wieder.
Und der gute alte Mann zu springen begannIn der Mitte der glühenden Flammen,Und das Band, das ihn preßt’ an den Ring so fest,Es fiel wie Zunder zusammen.
Und er sprach das Wort in fröhlicher Hast,Tief, tief den Atem einzog er.Und er setzte den Fuß auf den glühenden PfuhlUnd fort in die Lüfte hin flog er.
Weit, weit umkreist’ er den wirbelnden RauchUnd er blickte bald heiter, bald trüber;Doch als er sich schwang die Lüfte entlang,Schallt wild sein Gelächter herüber.
(Gekürzt nach einer Übersetzung von Arentsschild.)
Es wird erzählt von Lilith (diese warVor Eva Adams Weib), daß sie in EdenNoch vor der Schlange falsch gewußt zu reden,Daß erstes Gold gewesen sei ihr Haar.Indes die Erde altert immerdar,Jung sitzt noch sie und lockt der Männer jedenZu ihrem Truggeweb aus lichten Fäden,Für Herz und Leib und Leben stets Gefahr.Rose und Mohn sind, Lilith, dein Symbol,Denn wen, fandst du zu ihm, umstrickte wohlNicht Duft und süßer Kuß und sanfter Schlaf?Sieh, wie des Jünglings Blick dich glühend traf,Durchwogt dein Zauber ihn, – er ist verführt,Von dir ein Goldhaar hat sein Herz umschnürt.