An einen garnisonsdienstfähigen Dichter

Kurt Tucholsky (1890–1935)

[21] An einen garnisondienstfähigen Dichter

Du schlägst die kriegerisch-verstimme Leier,du singst von Haß und Blut und Pulverrauch –und heißt vielleicht nur Gottlob Emil Meier,sanft wölbt sich dir der Zwei-Terrassen-Bauch …

5Du singst vom Sturmangriff, von roten Hosen,

von England-Haß, von Not und Schlachtengraus,vom Panjefeind und von den Erzfranzosen –Komm raus!

Komm einmal raus! Besieh dir das persönlich –

10gewiß: es ist nicht immer ideal,

mitunter gehts im Kriege ganz gewöhnlichund schmutzig zu – besiehs dir nur einmal.Nein! das genügt noch nicht: du mußt es auch erleben,zieh an die schlichte Farbe unsres Graus.

15Mach mit! Wir woll’n dir fünf Mark dreißig geben –

Komm raus!

Vielleicht wirst du dann endlich, endlich lernen:Wer seine Pflicht tut, kämpft und steht und schweigt.Steigt auch der Ruhm der Kameraden zu den Sternen –

20sieh nur, wie lautlos und wie still das steigt!

Doch ziehn wir später einmal (Gott mag wissen,wann das geschieht), zurück, sind Leid und Wirrsal aus:dann, Meier, wollen wir dich gerne missen!Dann bleib zu Haus!