Alexander oder der Lügenprophet

Lukian von Samosata (120–180)

Translated by August Friedrich Pauly

Mancherlei heilsame Würze, und mancherlei schlimme zu mischen.

Perseus’ göttlicher Sproß, Alexandros, Liebling Apollon’s,Ist zu schauen allhier; Podaleirios hat ihn gezeuget.

In der ummauerten Burg, bei Sinópe, am Ufer des Pontos,Wird, wenn Italier herrschen, ein großer Prophet einst aufsteh’n.Dreimal zehen zu Eins, und zwanzig dreimal zu fünfen,Gibt vier Laute vom Namen des heilverbreitenden Mannes.

Glycon heiß’ ich und Enkel des Zeus, ein Licht für die Menschheit.

Meinen Propheten und Diener in Ehren zu halten, befehl’ ich;Minder theuer ist Goldes Besitz, denn dieser mein Knecht mir.

Mit Blei gefesselt sitzt er dort,Bis an den Hals im Kothe.

Gänsepappeln vom Schweine bekümmle im heiligen Mehlsack!

Bändigen wirst du mit Waffengewalt Armener und Parther,Drauf heimkehren nach Rom, zu des Tiberis glänzendem Strome,Blitzende Strahlen um’s Haupt und die grünende Lorbeerkrone.

Wage mir nicht den Armenischen Zug; es drohet Gefahr dir,Daß dir der Bogen des Mannes im weibischen MedergewandeSende das Loos des Todes, und Licht und Leben dir raube!

Suche nicht länger ein Mittel, zu heben die leidige Krankheit.Schon ist der Tod dir verhängt: du kannst ihm nimmer entrinnen.

Wandere nach Claros, und höre das Wort von meinem Erzeuger.

Nahe dich Branchos heiligem Hain, und horche dem Spruch dort.

Ziehe nach Mallos hin, Amphilochus weiß dir zu rathen.

Gib den Pythagoras ihm, und den herrlichen Sänger der Schlachten.

Erst warst du der Pelide Achill, drauf warst du Menander,Drauf was jetzo du scheinst. Wenn hundert und achtzig der JahreEinst du gelebt, dann wirst du zum Sonnenstrahle dich wandeln.

Freye die Tochter der Luna, von Alexander erzeuget.

Phöbus, das Haupt ungeschoren, verjagt die Wolke der Seuche.

Zwar des Pythagoras Geist wächst wechselsweise und schwindet:Aber der Geist des Propheten ist aus Zeus Geiste ein Senker;Ihn hat der göttliche Vater den Guten zum Helfer gesendet.Wieder kehrt er zu Zeus, getroffen vom himmlischen Blitzstrahl.

Folge dem Lepidus nicht: sein harret ein schreckliches Ende.

Werft in die Glut, so will ich’s, die Lehren des albernen Alten.

Werft in die Strudel des Ister; des himmelentsprossenen Stromes,Zwei der Diener Cybélen’s, die wilden Söhne der Berge,Und was Indiens Sonn’ an Blumen nähret und PflanzenWürzigen Duftes: so lautet mein heiliger Wille. Sofort wirdSieg und herrlicher Ruhm und lieblicher Friede gewonnen.

Willst du den Buhlen erkunden, den Kalligenía, dein Ehweib,Heimlich in deiner Behausung, auf deinem Bette beherbergt?Wisse, Protogenes ist’s, dein Diener und trautester Günstling.Deinem Weibe geschiehet von ihm, was du ihm gethan hast.Also vergilt er die Schmach, so einst von dir er gelitten.Aber sie kocheten dir ein verderbliches Gift, zu bewirken.Daß, was sie treiben, du nimmer erblicktest und nimmer vernähmest:Suche es unter dem Bette, du wirst es finden der Wand nah’.Frage Calypso, die Magd; sie weiß um das ganze Geheimniß.

Morfi ebargulis SchattenChnenchicranc das Licht verlassen.

Sabbardalachu malachAttis war ein Anderer.

Schmiere mit Cytmis dich ein und mit dem Thau der Latone.

Meide die Reise zur See: verfolge du lieber den Landpfad.

Nächtlichen Schwärmens freuet er sich und schmutziger Buhlschaft.