Leyer und Schwert (Max Ring)
Leb’ wohl, leb’ wohl! – Müßt’ er mich jetzt verlassen?Mir wird das Herz so voll, wenn ich ihn sehe,Die Luft ist mir so süß in seiner Nähe –Die Glückliche, sie darf ihn stets umfassen.Daß all’ die schönen Farben so verblassen!Daß ich den einen Strahl nie wiedersehe!Ach Gott! – mir war so wohl in seiner Nähe,Und jetzt bin ich so einsam und verlassen! –Wo ist er hin? – wo ist mein Stern geblieben? –Von kühnem Geist nach stolzer Bahn getrieben,Nein, wie sein Herz, unendlich, wie mein Lieben! –Ich träume schwer; die Burgen seh’ ich rauchen!Könnt’ ich mein Herz in seine Seele tauchen,Der Ahnung Qual in Thränen auszuhauchen!
„Es blinken drei freundliche SterneIn’s Dunkel des Lebens hinein:Die Sterne, sie funkeln so traulich;Sie heißen Lied, Liebe und Wein. –“
Leb’ wohl! Leb’ wohl! – Mit dumpfen HerzensschlägenBegrüß’ ich Dich, und folge meiner Pflicht.Im Auge will sich eine Thräne regen;Was sträub’ ich mich? Die Thräne schmäht mich nicht. –Ach, wo ich wandle, sei’s auf Friedenswegen,Sei’s, wo der Tod die blut’gen Kränze bricht:Da werden Deine theuren HuldgestaltenIn Lieb’ und Sehnsucht meine Seele spalten.
„Was glänzt dort vom Walde wie Sonnenschein?Hör’s näher und näher erbrausen.Es zieht sich hinunter in düsteren Reih’n.Und gellende Hörner schallen darein.Und erfüllen die Seele mit Grausen.Und wenn ihr die schwarzen Gesellen fragt:Das ist Lützow’s wilde verwegene Jagd.“
Die Wunde brennt, die bleichen Lippen beben.Ich fühl’s an meines Herzens mattem Schlage,Hier steh’ ich an den Marken meiner Tage –Gott, wie du willst, dir hab’ ich mich ergeben.Viel goldne Bilder sah ich um mich schweben,Das schöne Traumbild wird zur Todtenklage –Muth, Muth! Was ich so treu im Herzen trage,Das muß ja doch dort ewig mit mir leben!Und was ich hier als Heiligthum erkannte,Wofür ich rasch und jugendlich entbrannte,Ob ich’s nun Freiheit, ob ich’s Liebe nannte:Als lichten Seraph seh’ ich’s vor mir stehen; –Und wie die Sinne langsam mir vergehen,Trägt mich ein Hauch zu morgenrothen Höhen.
„Du Schwert an meiner Linken,Was soll dein heitres Blinken?Schaust mich so freundlich an,Hab’ meine Freude dran.Hurrah!“
„Mich trägt ein wack’rer Reiter,Drum blink’ ich auch so heiter,Bin freien Mannes Wehr;Das freut dem Schwerte sehr.Hurrah!“
„Wohlauf, ihr kecken Streiter,Wohlauf, ihr deutschen Reiter!Wird euch das Herz nicht warm,Nehmt’s Liebchen in den Arm.Hurrah!“
„Vater, ich rufe Dich!Brüllend umwölkt mich der Dampf der Geschütze,Sprühend umzucken mich rasselnde Blitze.Lenker der Schlachten, ich rufe Dich!Vater, Du führe mich!“
„Gott, Dir ergeb' ich mich!Wenn mich die Donner des Todes begrüßen,Wenn meine Adern geöffnet fließen:Dir, mein Gott, Dir ergeb' ich mich!Vater, ich rufe Dich!“
Wer scheidet dort röchelnd vom Sonnenlicht,Unter winselnden Feinden gebettet?Es zuckt der Tod auf dem Angesicht,Doch die wackern Herzen erzittern nicht;Das Vaterland ist ja gerettet!Und wenn ihr die schwarzen Gesellen fragt:Das war Lützow’s wilde verwegene Jagd.
Die wilde Jagd und die deutsche JagdAuf Henkersblut und Tyrannen!Drum, die ihr uns liebt, nicht geweint und geklagt;Das Land ist ja frei, und der Morgen tagt,Wenn wir’s auch nur sterbend gewannen!Und von Enkeln zu Enkeln sei’s nachgesagt:Das war Lützow’s wilde verwegene Jagd.
„Sein LebenLiegt faltenlos und leuchtend ausgebreitet.“
„Denn was berauscht die Leyer einst gesungen,Das hat des Schwertes freie That errungen.“