Morgenträume

Otfried Krzyzanowski (1886–1918)

[11] MORGENTRÄUME

Mit der Morgenröte erstem LohenIst ein braunes schlankes Pferd entflohen:Klingt sein Hufschlag in den hohlen Gassen,Hat uns alter tiefer Gram verlassen.

5Dringt der Hall an unsre Träumerohren,

Weckt er Drang und Lust, die neugeborenAller Not entkamen: Ein VersöhnenWiegt uns in der Erde dumpfes Dröhnen.

Lassen wir uns wiegen: fort uns tragen –

10Fern im Saal, wo Raum und Wände ragen

Wandeln wir dahin mit leichten Schritten,Alle Schwere ist vom Kleid geglitten.