Der Erbe

Otto Ernst (1862–1926)

[90] Der Erbe.

Ich hebe meine GeigeGanz heimlich unters KinnUnd zieh’ mit leisem BogenGanz heimlich drüber hin.

5Da hebt mein blondes Dirnlein

Den Fuß zum Tanzeschritt;Der Braunen lichtes StimmleinSingt schon die Weise mit.

Die Jüngste wiegt ihr Püppchen:

10„Marie Maruschka-ka“ –

Mit großen dunklen AugenSitzt stumm mein Bube da.

Er kennt vor unserm FensterDen alten Weidenbaum.

15Wiegt auf dem höchsten Wipfel

Im Winde sich sein Traum?

Mein Sohn, in meinen TönenHörst du der Winde Tanz?Mein Sohn, in meinen Tönen

20Siehst du der Wolke Glanz?

[91] Mein Sohn, ich bin ein König,

Willst du mein Erbe sein?Du wirst im SonnenpurpurEin Fürst der Ferne sein.

25Ich hab’ ein Schloß voll Schimmer

An einem fernen Meer –Heb’ ich ans Kinn die Geige,Kommt Gruß und Glück daher.