Ruhe des Herzens

Otto Ernst (1862–1926)

[61] Ruhe des Herzens.

Wie heimlich glüht ein BildAus langer Dämm’rung:Ein Sommerabend war’sIm Heimatdorfe;

5Noch lag ein Sonnenhauch

Auf Dach und Giebeln,Und hell stand schon der MondIn leerer Straße.Der Nachbar sprach ein Wort

10Von Tau und Regen,

Er sprach zu seinem WeibDrin in der Kammer;Er zog das Fenster an,Es klang der Riegel;

15Ein erstes Sternlein trat

Aus lichtem Dunkel.Aus fernen Gärten klangEin Mädchenlachen;Ein letzter Nachhall dann

20Und letzte Stille.

Und all die SommerweltGing wie ein AtemGeruhig ein und ausDurch meine Lippen. –

25Nun weiß ich’s, da mein Haar

Beginnt zu bleichen:Was damals ich geatmet, warDas Glück.