Waldidyll

Otto Ernst (1862–1926)

[68] Waldidyll.

Voll Haß und Unrast lief ich in den Wald:Mein Herz war heiß; die Welt war tot und kalt.Du, Bächlein, bist so wild und kraus wie ich!Komm, schäumender Gesell, und lehre mich: –

5Du gleitest singend über Blum’ und Moos –

Was ist im großen Weltenspiel dein Los?Und sprühend, perlend klang es aus dem Schaum,Ein Lied, die Welle sang es wie im Traum:

„Im Schoß der Berge kurze Stunden träumen,

10Ein froher Sprung von steilem Hange her –

An starren Felsenklippen sich zerschäumen –Und seinem Selbst entsagen fern im Meer.“

Noch lange horcht’ ich. Klang’s vom Himmel her?„Und seinem Selbst entsagen fern im Meer.“