Landwehrlied

Rudolf Gottschall (1823–1909)

0 Landwehrlied.

Wie sich auch brüstetDer Feinde Macht,Wir sind gerüstet,Wir halten Wacht.Es steht die Landwehr treu und fest und stark,Wie glorreich sie gestanden immerdar,Des deutschen Landes Kraft, des Volkes Mark,Ein sich’rer Horst dem kaiserlichen Aar.Die Fahne hoch, dem KugelregenDie muth’ge Mannesbrust entgegen!Zum Kampf, zum Siege sturmgeschwind!Es harren unser Weib und Kind,Des Hauses Glück, der Heimath Segen.

Da ragt der ÄlteIm Steingewand!Die Wolke ballteDie starke Hand:Die Heereswolke mit dem Siegesblitz,Einst schuf sie Scharnhorst aus des Volkes Kern,Und an der Katzbach und bei DennewitzVerhüllte sie des Welterob’rers Stern.Die Fahne hoch, dem KugelregenDie muth’ge Mannesbrust entgegen!Zum Kampf, zum Siege sturmgeschwind!Es harren unser Weib und Kind,Des Hauses Glück, der Heimath Segen.

Und wieder lohteDes Krieges Brand,Der Feind bedrohteDas deutsche LandDa nah’n die Kaisergarden siegesfroh –Sie sind wie einst dem Untergang geweiht;Geboren wird ein zweites Waterloo,Es ist Sedan getauft für alle Zeit.Die Fahne hoch, dem KugelregenDie muth’ge Mannesbrust entgegen!Zum Kampf, zum Siege sturmgeschwind!Es harren unser Weib und Kind,Des Hauses Glück, der Heimath Segen.

Im Feld geschlagenDer Feind erliegt –Die Festen ragenNoch unbesiegt.Vor ihren Wällen ein lebend’ger Wall,So spannten wir um sie ein eisern Netz;Sie brachen’s nicht, sie wichen überall,Und unser ward das alte deutsche Metz!Die Fahne hoch, dem KugelregenDie muth’ge Mannesbrust entgegen!Zum Kampf, zum Siege sturmgeschwind!Es harren unser Weib und Kind,Des Hauses Glück, der Heimath Segen.

Und Belfort lauertAn Deutschlands Thor,Reckt hingekauertDas Haupt empor,Zum Sprung bereit hinein ins deutsche Land,Aus feur’gen Nüstern sprühend Todesgraun;Gefesselt ward’s von unsrer tapfern Hand,Wir haben ihm die Tatzen abgehaun.Die Fahne hoch, dem KugelregenDie muth’ge Mannesbrust entgegen!Zum Kampf, zum Siege sturmgeschwind!Es harren unser Weib und Kind,Des Hauses Glück, der Heimath Segen.

Und immer preisenUnd feiern wirUms Kreuz von EisenDes Lorbeers Zier!Der Lorbeer ist’s, den Dank und Liebe flicht,Der Ruhm, den keine künft’ge Zeit begräbt.Die Landwehr stirbt, doch sie ergiebt sich nicht!Die Landwehr lebt, solang ein Deutsckland lebt;Die Fahne hoch, dem KugelregenDie muth’ge Mannesbrust entgegen!Zum Kampf, zum Siege sturmgeschwind!Es harren unser Weib und Kind,Des Hauses Glück, der Heimath Segen.Rudolf von Gottschall.