Der Winterkönig im Liede seiner Zeit

Rudolf Wolkan (1860–1927)

[Gott] auch hůt das keusche Bett,Die Feinde vor der Thur zertrett,Vnd langes Leben euch VerleyDamitt gut Fried in Teutschland sey,Auch glentzt ein Zier dem VatterlandVnd werd diss Lob der Welt bekant.Solch hoher Stam empfind kein end,Vnd stets erhalt das Regiment.So lang als mag die Erde sein,Vnd Menschenkinder wohnen drein.

Willkommen, König Friederich:In Jesu namen grüssen dichWir arme Bömsche bäwerleinUnd heissen dich willkommen seyn.

Kein Küchlein hat man uns gegündt,Gar kein Gestütte man noch findt,Kein Ross, kein Wagen ist mehr hier,Das Unglück wächsset für und für.

Vor Türcken wer es gar genug,So jämmerlich der Feind uns schlug,Die Köpffe schraubten sie uns einUnd schmissen dann mit Prügeln drein.

Die Kisten brachen sie entzwey,Nicht eines hellers werth blieb frey:Thür, Ofen, Fenster musst heraus:Sie zogen uns gantz nackend aus.

Und was sich weiter noch erstreckt,Die Städt und Dörffer angesteckt,Dass wir verjagt, dass Weib und KindAus Hunger uns gestorben sind.

Wir lieffen in den Wüsten WaldZu suchen unsern Auffenthalt,Sie haben doch uns auskundschafftSehr viel erwürgt und weggerafft.

Gott segne dich und sey mit dir,Steh gnädig der Regierung für,Und wider unser GegentheilVerleih er dir glück, sieg und heil.

Tröst uns, verschaff uns Fried und ruh,Sprich uns betrübten leuten zu:Wir haben lange mit GedultErtragen was wir nicht verschuldt.

Wolauff und lasst uns frölich seyn,Die Morgenröht bricht starck hereyn,Die Sonn lesst sich auch sehen:

Mit einem König uns verehrt,Sein Antlitz klar Gott zu uns kehrt,Für dem die Feind nicht stehen.

Viel gutes uns der Herr beschertDurch diesen unsern König werth,Den wir billich hoch ehren:Er ist ja alles rühmens werth,Mit schönen Liedern unbeschwert,Lasst uns sein Lob vermehren.

Hupff auff und jubilier zuhand,Du liebes werthes Vatterland,Und dancke Gott von Hertzen:An Sauls statt David dir von Gott,Gesendet kompt, der dich aus NothErrett und allen schmertzen.

Freu dich du werthes Vatterland,Freu dich du gantzes Böhmerland,Er wird dich fein beschützen:Bey deiner Lehr erhalten rein,Den Feinden mags zuwider seyn,Wer fragt nach jhrem trutzen?

Wir Bitten dich, Herr Jesu Christ,Der du ein Gott des Friedens bist:Den König Fried- vnd Frewdenreich,Wollstu erhalten bey seim Reich;Dann Er sucht dich vnd deine Ehr,Beschytz dein Wahres Wort vielmehr.Drumb wolstu selbst ober ihn waltn.Auch seine land vnd leuth erhaltn.

Herr aller Könign, bitt wollst gebn,Dem Newen König langes lebn.Damit das Grünend RegimentWachs und zunehm biss an sein Endt.

Ihr Böhmen nembt dieses in Acht,Euern neuen König wol bewacht,Dass ihn nicht ergreiff diss Gefahr,Sonst wers mit euch auss gantz und gar.Er ist derjenig wie ich meldt,Der Gott und Menschen wolgefällt,Dass er der Christenheit dienen mag,Darumb ruff ich an Gott all Tag,Er wirdt abhelffen unsre ClagAmen.

Danckt ab dem Kriegsvolck schafft euch rueh,Ihr müst sonst all verderben,Euch bleibt zu letzt im Stall die Kue,Beim Krieg werden noch vill sterben.Die Obrigkeit ist gsetzt von Gott,Wer sich der opponiret,Der stirtzt sich selbst in grosse noth,Wirdt ewig ruinieret.

Ein schöner Zweig im Heilign ReichChur Pfältzisch Stamm FRIDRICH mit Nam,Ist Hochgeborn, jetzt ausserkornEin Konig schon zur Böhmischen Cron.Ob schon gar bald der Winter kaltWar vor der Thür doch sein quartierDer Soldat gut helt wol in hut.Der Passquillant schreyt aus im LandDieweil solch Werck des Löwens SterckIm Winter gschehn wirds bald vergehn.Weils aber hat Nach seinem RathGOTT ordinirt vnd selbst geziert.Nichts desto minder wirds Sommer und WinterHabn ein bestand, der PassquillantMuss diss dermassn, so bleiben lassen.Man hat noch Geld, Volck kompt ins Feld.Der Löw vom Rhein den Weinstock seinDurch gottes güt gar fein behütOb es gleich schon viel ScorpionVerdreusst gar sehr doch weil der HERRVon oben ebn sein Segn gebnDamit sein Wort der Seelen hortZunehm und wachse immerfort.

Er ist ein König Lobesan,Von Adel und von Ehren:Des Königs in Englandt Tochter Mann,Er kan dass Reich vermehren.Er ist ein Schutz,Allen zu trutz,Die Jesuitisch leben,Darumb vns baldt,Kein Macht noch Gwalt,Wird können vbergeben.

Nach Krieg, Auffruhr, wehklagen,Wird in der Löwen Landt,Man von Fried vnd Frewd sagen,Ein Phoenix läst zu handtSich sehn, zwo TurteltaubenBedeuten Einigkeit,Der Feind wird nichts mehr Rauben,Wie geschehen ein lange Zeit.

Nachdem ein Löw gelittenMit seinen Löwelein,Wird er hernach in friden,Mit Ruh Regieren fein.Dieweil Er zu den stundenIn Leibs vnd LebensgfahrGottes Feind vberwunden:Diss alls wird werden wahr.

Zwar am tag mit was hölden mueth,Dein mechtigs Kriegshör für dich streith,Wie solches in alle welt erschallen thuet,Durch sichtbar Gottes band bereithWider al die sich mit feindes begier,Ohn vrsach wöllen nötigen zu dir.

Weil dich dann Siben Provinzen schonMit Gott zu Irem König erwölt,Wirt er auch die Römische Cron,Dir wie vnd wo, es Ime gefällt,Auch triumph, vnd sich darneben,Wider alle deine feind geben.

Es ist das Heyl vns kommen her,Vom Pfaltzgrafen ChurfürstenDess Bapsts Practick hilfft nimmermehr,Gott wird ihn starck aussrüsten.Sein Glaub ficht Jesum Christum an,Der wird jhm gewisslich beystan,Er ist sein Schutzherr worden.

Man soll famos Libell nit schreiben,Pasquill vnd Schmachred lassen bleiben.

Was geht Pfalzgraf die Reichstäg an,Weil er ist in den Bann gethan,Und ist kein Glied des Reichs nit mehr,So hat er schon verspielt sein Ehr.Man schreib von ihm, man mal, man dicht,Ist wider die Reichssatzung nicht,Das Reich meint nur die Glieder sein,Der Pfalzgraf ghört gar nicht mehr drein.

Man kann ihn König in Lappland machen,Da ist lang Winter, merk die Sachen.

Sehr glücklich war er in dem Reich,So bald hett er nit seines gleich,Ihm mangelt nit an Leit vnd LandRegieret weisslich mit Verstand,Eine Fraw von Königlichem Stamm,Die mehret jhm sein hohen Nam,War glückhafftig mit jungen ErbenSein Stamm so bald nit solt absterben.Von reich vnd arm von jung vnd alten,Ward er in grosser ehr gehalten.Wie solches dann auch billich geschach,Weil er die höchste Chur versach.Aus Weltlichen Churfürsten vierDem Römischen Reich war er ein zier,In Summa, jhm war wohl allermassen.

Der hett zuvor viel Leit vnd Land,Der hat jetzund ein läre Hand,

Der vor hett auf dem Haupt ein ChronHat jetzt kaum ein gantz Hemet an,Helf Gott dem armen FriderichEr kompt doch nimmer vber sich.

Theils ist schön bleich, darum so weiss,Zu Hemmedern taugts für die Läuss,Theils wirds zu Facinetlin taugen,Dass ihr damit wischt eure Augen,Wenn ihr das Königreich beweint,Das euch vor diesem ward vermeint,Oder wanns euch den Schweiss austreibt,So ihr zu lang beim Spielen bleibt,Auch wenn man euch mit Reden sticht,Man gibt hie Stich, die bluten nicht,Sie treiben oft, anstatt das Blut,Heraus den Angstschweiss unterm Hut,So nehmt alsdann die Leinwat zart,Wischt eur langs Haar und kurtzen Bart.

Die Fassnacht warst du König der Schellen,Im Sommer thätst ein Laubkönig dich stellen,Von wegen deiner Kinder,Ein Eichelkönig warst du im Herbst,Drinn alles verderbst,Herzkönig war im WinterDein Hinter.

Denn als du gsehen das bairische Schwert,Hast du dem Feind den Rucken gekehrt,Dein Herz fiel in die Hosen,Auch fiele von dir viel anderer Raub,Schell, Eichel und Laub,Bringt dir der Winter Rosen?Magst losen.

Aber du, treuloser Mann,Hast dem Kaiser ein Eid gethan,Leichtfertig wider gbrochen,Wird jetzt billig gerochen.Pfui! schäme dich, Fritz! Dein SchandeGebt in aller Welt Lande.Kein Wasser kann waschen ab,Ja weder Tod noch Grab,Dein Schmach und grossen Spotte.

Ach lieber Fricz, mein junges Blut,Dir wäre besser zu Hand,Eine grosse eingeweichte Ruth,Als diese grosse Schand.

Kein Churfürst wirstu nicht mehr sein,Das sing ich dir fürwahr,Vielleicht musst du führen noch die Schwein,Auf das kommende Jahr.

O lieber Fricz, mein gut Gesell,Lass fahren diese Kron,Bereitet ist dir schon die HöllZu einem gewissen Lohn.Denn welcher sich erhöhen thut,Fällt tief in den Abgrund,Ihm wird vergolten sein HochmuthWol in der Hellen Schlund.

Ach lieber Haas,Auf grünes GrasKomm ich nit mehr,Ich fürcht mich sehr,Spitz nicht die Ohren,Es ist verloren,

Schlaf oder wach,Ist Wehe und Ach,Mein schwache AugenNit mehr taugen,Ach wie ist diess ein räse Laugen!O Scepter, o Kron,Was hab ich thon?Ist denn mein Lohn,Nur Spott und Hohn,Dass ich jetzt laufen muss davon?

Hätt ichs bedacht,Genommen in Acht,Und recht erwognWär ich nicht betrogn.Der alte Vers zwarBleibt itzo wahr:Zuvor gethan, hernach bedacht,Hat Manchn in grossen Schadn gebracht.Drum heisst es:Anfang bedenk das Ende.

Ihr lieben Getreuen,Euch ist bekanntMein grosser Spott, ja Schmach und Schand,Der mir widerfuhr ungefährBei einem Jahr, nit viel mehr,Wie man mich thät grausam austreiben,Dass ich durft in dem Land nit bleiben,Bei allen Ständen, Reich und Armen,Musst ich hier weg ohn alls Erbarmen,Sunderlich bei dem gemeinen Mann,Die huben all zu schreien an,Der Winterkönig weit hinweg,Kommt jetzt ein andrer, ist er keck,

Bei Weib und Kind, Mägd, Gsind und Knecht,Die haben mich höchlich verschmächt,Auch thäte also fahen anZu schreien mancher Handwerksmann:Wo ist sein Scepter und sein Kron,Wo ist sein Wohnung oder Thron,Wo bleibt sein Macht und Herrlichkeit,Wo bleibt sein Land und seine Leut?Wir sehen, er ist gar verloren.

Wann ich gedenk der PragerschlachtVnd wie wir seyn geflohen,Mein Hertz im Leib schier ganz verschmachtIch liess den besten Rogen,Mein Hosenbandt, ist schier ein SchandDer Bayrfürst hats in seiner Hand,Ist wahr vnd nit erlogen.

Hett ich gewust, was ich jetzt weissIn Prag wer ich nie kommenHett nit mit solchem pomp vnd preissDie Böhemisch Cron angnommenIch gwinn ein Statt, verleur ein LandtDas ist schier wo mans sagt ein SchandtWas schaff ich da für frommen?

Vor Angst zue berg stehn mir meine haar,Weil ich nit wust, was ich jetzt erfahr,O du verflucht Böhmische Cron,Itzund muss ich mit Spott davon.

Calvini Lehr bringt diese Frucht,O wehe der armen Leut,Gleich wie das Viehe lebt in Unzucht,Sammlen nur gestohlene Beut;Und Bilderstürmen ist ihre Kunst,Krieg und Mord richten an,Glaub und Lehre ist alles umsonstBei ihnen auf der Bahn.

Von andern will ich schweigen,Jetzt nur auf Böhaim zeigen,Wer dies angfangen hat:Die calvinische Natterbruet,Die nur Bluetbad anstiften thuet,Die hats thuen mit der That.Das machts neu Evangelium,Dass man heut glaubt grad, morgen krumm,Und soll doch Alles grad sein.Dann wann es nur nit päpstisch ist,Obs schon sonst ist des Teufels Mist,So ists bei euch schön rein.

Richtig vnd gewiss,Ein Schlangen ist,Der falsche Geist Caluinus,Der newlich hatMit raht vnd that,Mich bracht in solche zwingnuss.

Vertröstung geben,Im Garten eben,Kundt ich sein lehre pflantzen.Durch alle Welt,Hat mir gfelt,Muss jetzt im ellend dantzen.

Hat mich verführt,Bin gar verirrt,Wo soll ich mich hinkehren,Wo ich hin wil,Mein Missthat vilThut mir alle Zuflucht wöhren.

Weil du folgst falscher LehrZu Gotts und der Kirchn Unehr,So musst dich Gott auch stürzen,Dein Regiment abkürzen.Das hast du wohl erfahren,Regierest kaum ein Jahre.

Ehrgeitz hat euch also verblendt,

aus Anreitzung meines Weibs,Was sie alles gstift, der Teufel bschreibs.

Wann ich mein Königin sich an,So wil sie mich auch nimmer han,Weil ich mein stand nit führe,Ihr Hoffart mich darzu hat bracht,Dass ich hab nach der Cron getracht,Jetzt bin ich aller jrre.

Wol diesem Weib zu LiebDer Hochmuth dich antriebZu sein auch ihres Gleichen,Strebst nach eim Königreiche,

Bekommst es zwar gar balde,Konnst aber nicht erhalten.

Dahero er zu danken hatSein Räthen um den guten Rath,Mit den sie ihn zum Kriegen verführt,Darauf er doch nie hat gstudirt.

Ich widersag dem bösen Feind,Mein Räthen, die mir nichts nutz seind,Wie klärlich jetzt an mir erscheint.

Denn meine Räth mich thäten stärken,Das thät der römisch Kaiser merken.

Dahero der Ehrgeitz nicht allein,Sondern auch die aigne Diener meinMich hefftig theten hetzn vnd threibnAlso lenger nit zu bleiben,Sondern mich Eylends begeben thuenNach Prag zue der Böhmischen Chron.

Die Böhmen unterstunden sichIhr Sachen zu führen listiglich,Und spielen mit dir, o Pfalzgraf,Gleich als mit der Katz der Aff,Als er einsmals wollt Kästen braten,Doch ihm selber ohne Schaden,Erwischet er in Eil ein Katz,Bat sie, sie sollt mit ihrer DatzDie Kästen nehmen aus der Pfann.· · · · · · · · · · · · · ·Ingleichem, wie wir allbereit sehen,Ist auch dem Pfalzgrafen geschehen,

Weil er gefolgt der Böhmen Rath,So hat er jetzt den Spott zum Schad.Was ihn’ die Böhmen fürgenommen,Und sonst nit konnten überkommen,Da brauchtens dein Hülf, o Pfalzgraf,Als wie der Katzen Hülf der Aff.Hast dich verbrannt, als wie die Katz,Lass dich jetzt blasen in die Datz.

Zwanzig und etlich KönigVor mir habt ihr erwählt,Darunter seind gar wenig,Ein oder zween, gezählt,Den ihr nicht habt gelogen,Oder mit Schwert verfolgtMich habt ihr auch betrogen,Glück dem, der mir nachfolgt.

O Ehrgeitz, du verfluchte sucht,Hie sieht man dein vergiffte frucht,Die Ehr und Würd machst manchem süss,Biss er kompt andern vnder d Füss.Wie ansehlich wie zierlich wolWie dapffer alles Glücks so volWar Pfaltzgraf Friderich zuvor,Ehe das jhn Hoffart hebt empor.

Hie ist der Pfältzisch Köhrauss gar,Vnd mennigklich wirdt offenbar,Was Friderich so vnbesunnenMit seinem vbermuet gewunnen.

O Friedrich, wärst ein Pfalzgraf geblieben,Nit Hochmuth getrieben,

So wärst jetzt nit verlassenDermassen.

O Heidelbergk, folg der Statt PragVnd dass du gesündiget hast, sag,Such Gnade an des Adlers thron.Bekenn dein sund vnd lass darvon,So wirst du weisser als der Schneh,Vnd ir gedacht nimmermeh.

Hast du gesündiget wider dein rechte Obrigkeit.Durch Geitz, oder durch verführerische Leut,So knie nider, vnd bitt alsbald vmb Gnad,Ich kan verzeihn dir dein Missethat.

Einen einzigen Weg,Doch schmalen steg,Hast noch hinauss zekommen.Ans rechte ortDass du hinfort,Kanst wohnen bei den Frommen.

Das ist ein strenge wahre Buess,Die du noht halber leiden must,Sonst ist es schon gefehlet,Dir vmb ein Jesuiter schaw,Demselben deine Sünd vertraw,Der in der Beicht dir strellet.

Die du zuvor sehr vnbedachtHast aussgeiagt vnd gantz veracht,Die können dich noch bringenZu Gnaden, bey dem lieben Gott,In diser deiner höchsten noht,Ehe mit dem Todt musst ringen.

O frommer Kaiser Ferdinand,Nimm ihn zu Gnaden an,Siehe nicht an seinen Unverstand,Er ist ein junger Mann,Der nicht betrachtet hat vorhinDie schwere Last der Kron,Die ihn jtzund drücket sehr,Er hätts sonst nicht gethan.

O Gott genad mir armen Sünder,Kein falsch steckt mehr bei mir dahinter,Mein Lebtag denk ich an den Winter.