Perebenda
Translated by Iwan Franko
Perebenda
Der alte, blinde Perebenda,Er ist bekannt bei jedermann,Er ist ja überall zu HauseUnd spielt auf seinem Theorban.
Wer aber spielt und singt, den kennt man,
Dem danket man bei jeder Frist,Denn er zerstreut der Menschen Kummer,Obwohl sein Herz der Kummer frißt.Tagsüber unter freiem Himmel
Und unterm Sternenzelt bei Nacht,
Kein Haus noch Heim ist sein auf Erden,Er spottet das Geschick und lachtDes alten Hauptes, doch was tut das?Ist seine Sorge doch so klein!
Er setzt sich und stimmt an sein Liedchen:
«O rausche nicht, du grüner Hain!»Und singend denkt er, wie verwaistEr in der Welt steht und alleine,Und trauert manchmals insgeheim,
Daß keiner sieht, der Alte weine.
So ist er stets, der Perebenda,Der alte, wunderliche Mann:«Vom Tschalyj» singt er, auf einmalHebt lustig er ein Tanzlied an,
Am Weideplatze mit den Mädchen
«Den Hryć» die Frühlingsmelodei,Im Wirtshaus «von der Schenkerstochter»Und «von der Serbensklaverei»;Mit Eheleuten bei dem Gastmahl
(Wo böse Schwiegermutter haust),
Da singt er «von der Zauberpappel»Und dann «Der Wind im Walde braust»;Am Marktplatz von dem «armen Lazar»Und von des Reichen böser Tat,
Dann singt er traurig, wie der Russe
Die Sitscha einst zerstöret hat.
So ist er stets, der Perebenda,
Der alte, wunderliche Mann,Mit Lächeln hebt er an zu singen,
Doch bald zu weinen fängt er an.
Es weht der Wind auf breiter Steppe,Er rauschet meerwärts, zum Liman.Am Kurhan sitzt der blinde SpielmannUnd spielt auf seinem Theorban.
Die Steppe rings, ein breites Meer
Voll Leben, Blumen, Tiergewimmel,Voll Kurhanhügel; fern, da fernVerschwimmt die Steppe mit dem Himmel.Der Steppenwind spielt mit dem Haupthaar
Und mit dem Schnurrbart, grau und lang,
Dann legt er sich zu seinen Füßen,Zu lauschen seinem Zaubersang,Wie seine blinden Augen weinen,Von Wonne bebt des Sängers Herz,
Es lauscht der Steppenwind gar stille,
Dann rauscht er stürmisch himmelwärts.
Wohl verbirgt er sich, der Alte,In der Steppe auf den Hügeln,Daß die Winde seine Worte
Weit zerstreun mit ihren Flügeln,
Daß sie keine Menschen hören,Denn es sind ja Gottes Laute,Freier führt mit Gott das Herz hierDas Gespräch, das innig traute.
Reiner tönt zu Gottes Preis hier
Der Gesang und der Gedanke,Fliegt herum im WeltenraumeOhne Halt und ohne Schranke,Wie ein Adler grau und mächtig
Schwebt er überm Erdengraus,
Schlägt den Himmel mit den Schwingen,Ruht sich auf der Sonne aus,Fragt die Sonne, wo sie schlafe,Wie sie morgens sich erhebe,
Lauscht dem Meer, wovon es murmle,
Fragt den Berg, warum er bebe?
Und sogleich gen Himmel wieder,Denn voll Elend ist die Erde,Hat kein Plätzchen, keine Ruhstatt,
Nichts als Spott, nichts als Beschwerde
Für den Sänger, welcher klar siehtDer Natur, des Lebens Tiefen,Weiß, wovon die Quellen murmeln,Wo die Sonnenstrahlen schliefen.
Fremdling ist er unter Menschen,
Einsam wie die Sonn’ am Himmel.Zwar ihn kennt die dunkle Menge,Denn sie sieht ihn im Gedränge.Aber wüßten sie, wie einsam
Er am Kurhan singet dort,
Wie er redet mit dem Meere,Sie verlachten Gottes Wort,Würden einen Narr ihn schelten,Würden ihn von sich vertreiben:
Ist das Meer dein Freund, so lieber
Magst du bei dem Meer auch bleiben!
Wohl tust du dran, mein guter Sänger,Daß du die Steppenfreiheit liebstUnd deinen Sang und deine Trauer
Anheim dem Steppenwinde gibst!
So singe fort, du guter Adler,So lang noch frisch und jung dein Herz,Das Volk erfahre niemals deineGeheime Trauer, deinen Schmerz!
Und daß das Volk dich nicht verlache,
So tu ihm seinen Willen gleich,Spring, Diener, wie der Herr dir pfeifet,Dazu ist auch der Herr so reich!So ist er stets, der Perebenda,
Der alte, wunderliche Mann,
Beginnt ein Hochzeitslied zu singenUnd gleich ein Tanzlied fängt er an.