Die arme Else

Theodor Fontane (1819–1898)

[115] Die arme Else.

Die Mutter spricht: „lieb Else mein,Du mußt nicht lange wählen;Man lebt sich in einander ein,Auch ohne Liebesquälen;

5Manch’ Eine nahm schon ihren Mann,

Daß sie nicht sitzen bliebe,Und dünkte sich im Himmel dann,Und alles ohne Liebe.“

[116] Jung-Else hört’s und schloß das Band,

10"]}' id="mwNQ"> Das ewge am Altare,

Es nahm, zur Nacht, des Gatten HandDen Kranz aus ihrem Haare;Ihr war zu Sinn, als ob der TodSie auf die Schlachtbank triebe, –

15Sie gab ihr Alles nach – Gebot,

Und alles ohne Liebe.

Der Mann ist schlecht, er liebt das Spiel,Und guten Trunk nicht minder,Sein Weib zu Hause weint zu viel,

20"]}' id="mwYQ"> Und ewig schrein die Kinder;

Spät kommt er heim, er kost, er – schlägt,Nachgiebig jedem Triebe, –Sie trägt’s, wie nur die Liebe trägt,Und alles ohne Liebe.

25[117] Sie wünscht’ sich oft: „es wär’ vorbei“,

Wenn nicht die Kinder wären;So aber sucht sie, stets auf’s Neu,Den Gatten zu bekehren;Sie schmeichelt ihm, und ob er dann

30"]}' id="mwkg"> Auch kalt bei Seit’ sie schiebe,

Sie nennt ihn: ihren liebsten Mann,Und alles ohne Liebe.