Die Gans von Putlitz (Fontane)

Theodor Fontane (1819–1898)

Die Gans von Putlitz

unddie Erstürmung von Angermünde.25. März 1420.(Nach dem Alt-Pommerschen.)

Ein neues Lied gesungen sei:Nach dem Winter da kommt der Mai,Das haben wir wohl vernommen;Und daß Kettr-Angermünde märkisch ward,

Das soll dem Markgrafen frommen!

* * *

Johann von Briesen ließ sich jagenVon Kettr-Angermünde bis Greifenhagen,All’ Muth war ihm gebrochen;Da ging er zu Hofe nach Alten-Stettin

Und hat zu dem Herzog gesprochen:

„Gnäd’ger Herre, was zu halten stand:Kettr-Angermünd und das Stolper Land,Ist verloren und verdorben;Der Markgraf hält es jetzt in Hand

Und doch hieß es: er sei gestorben.“

Da ließ der Herzog entbieten und holenAll’ seine Mannschaft, Pommern und Polen,Nach Vierraden ritt man zu Tische;Da setzten sie sich und hielten Rath

Und aßen süße Fische.

Dann ritten sie weiter und kaum heran,

Angermünde ward ihnen aufgethan,Alle haben dem Herzog geschworenUnd alle riefen: „Stettin, Stettin“

Und Brandenburg war verloren.

Aber draußen hinter Wall und Graben,Die Märkischen schon sich gesammelt haben,Vierhundert Reiter und Knechte;Die Gans von Putlitz führet sie,

Zischend, auf daß sie fechte.

Ja, die Gans, der wollt’ es nicht behagen, –Sie streckte zornig ihren KragenUeber die Pommern alle;Da schwebte der märkische Adler hoch

Und die Greifen kamen zu Falle.

Die Gans aber wuchs im Grimme noch,Sie schlug mit den Flügeln ein BreschelochUnd da stand sie nun zwischen den Steinen,Und als sie bis zum Markte kam,

Waren sie zehn gegen einen.

Da gingen die Schwerter die Klinker die Klang,Herr Detleff Schwerin mit dem Putlitz rangUnd wollte den Preis erwerben;Da mußte Herr Detleff von Schwerin

Für seinen Erbherrn sterben.

Das war des Herzogs schwerster Tag,Als da Herr Detleff vor ihm lag,Zerhackt, in Blut und Wunden,Und er rief: „O hätt’ ich über den Damm

Erst wieder zurücke gefunden!“

Er sprach es und ritt im Zuge vorn,

Er gab seinem Rosse Schlag und SpornUnd suchte die Zügel zu fassen;So kam er bis an das „hohe Haus“,

Da ward er eingelassen.

Das war zu Vierraden. Auf Schlosses Brück’Einmal noch sah er zurück, zurück,Im Herzen voll Weh’ und Leide:„Kettr-Angermünde, Du vielgute Stadt,

Daß so ich von Dir scheide!“

* * *

Der aber, der dies Lied euch sang,Ein Schmiedeknecht ist er schon langUnd sie nennen ihn Köne Finken;Und er führt ein Hämmerchen auf der Hand

Und Gut-Bierchen mag er trinken.