Die Leuchttürme
Traducido del francés por Stefan George
Rubens · der müssigkeit garten · fluss von vergessenUnd pfühl frischen fleisches · für unsre liebe wol leer ·Doch von einem leben so strömend und drängend besessenWie luft in dem himmel und wie das meer in dem meer.
5Leonardo da Vinci · ein spiegel tief und dunkel
Wo reizende engel mit ihrem süss-lächelnden mundUnd voll von geheimnis erscheinen im abendgefunkelDer gletscher und fichten · des heimatlands hintergrund.
[21] Rembrandt · trauriges siechhaus voll murmelnder stimmen
10Und mit einem grossen kruzifix nur geschmückt ·
Wo beten und weinen über dem unrat schwimmen –Und jählings von einem winterstrahle durchzückt.
Michelangel · nebelwelt wo die giganten hämmernUnd märtyrer dulden · wo sich in die höhe streckt
15Aus seinem grab ein mächtig gespenst das im dämmern
Sein schweisstuch zerreisst indem es die finger reckt.
Der wettkämpfer wüten · das schamlose treiben der faunen:Du der die schönheit bei pöbel und schurken fand ·Du stolzen sinnes doch schwach und mit giftigen launen ·
20Puget · du trauriger fürst in der sträflinge land.
Watteau - ein fasching wo viele erlauchte herzenWie schmetterlinge irren mit zuckendem glanz ·Ein frischer und leichter zierrat erhellt von den kerzenDie tollheit giessen in diesen wirbelnden tanz.
25Goja · ein nachtmahr von unergründeten dingen ·
Von leichen die man an hexensabbaten sott ·Wo weiber vorm Spiegel und nackte mädchen sich schwingenDie strümpfe sich bindend den lüsternen geistern zum spott.
[22] Delacroix · blut-see wo böse engel sich scharen ·
30Darüber die schatten der stets grünen fichten ziehn ·
Wo unter dem traurigen himmel fremde fanfarenWie ein erstickter seufzer von Weber fliehn. –
Dies alles an flüchen an lästerungen an träumenVerzückungen klagen thränen und lobliedern trifft
35Sich wie ein echo aus tausend verschlungenen räumen ·
Es ist für die menschen ein göttlich berauschendes gift ·
Es ist ein laut den tausend schildwachen schreien ·Ein losungswort das von tausenden lippen schwirrt ·Es ist ein leuchtturm der flammt über tausend basteien ·
40Ein ruf von jägern im dickicht des waldes verirrt.
Dies ist es o Gott! was bei all deinen herrlichkeitenAn unsre würde uns den glauben erwirbt:Der glühende seufzer der hinrollt von zeiten zu zeitenUnd der am rande deiner ewigkeit stirbt.