Der großmüthige Räuber

Christian Fürchtegott Gellert (1715–1769)

[241]Der großmüthige Räuber.

Auf offnem Weg hielt einen WandersmannEin Räuber, nah um London, an.Ach! sprach der arme Wandersmann,Ich bitt euch, laßt mir nur das Leben.

5Ich hab euch ja kein Leids gethan,

Und wollt euch gern, was ihr verlangtet, geben;Doch heute hab ich nichts bey mir.Ich geh itzt nach der Stadt, um da zehn Pfund zu heben;Und Morgen bin ich wieder hier

10Und theile sie mit euch; so wahr Gott über mir!

Gut, fieng er an, du hast geschworen:Ich glaube dirs. Geh fort! Ich wünsche dir viel Glück.Im kurzen kam der Wandersmann zurück.Ich! sprach er mit erfreutem Blick,

15Seht, was ich Aermster fand! ihr habts doch wohl verloren,

Zehn Pfund, und mehr noch – – welch ein Glück!Und diese bring ich euch zurück,Erlaßt mir das, was ich beschworen.

Nein, hub der Räuber an, ich habe nichts verloren,

20Behaltet euer Geld, weil ihr so ehrlich seyd.

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So fühlt oft selbst ein Schelm den Werth der Redlichkeit.