Herr, der du mir das Leben

Christian Fürchtegott Gellert (1715–1769)

Herr, der du mir das LebenBis diesen Tag gegeben,Dich bet ich kindlich an!Ich bin viel zu geringe

Der Treue, die ich singe,

Und die du heut an mir gethan.

Mit dankendem GemütheFreu ich mich deiner Güte;Ich freue mich in dir.

Du giebst mir Kraft und Stärke,

Gedeyn zu meinem Werke,Und schaffst ein reiner Herz in mir.

Gott, welche Ruh der Seelen,Nach deines Worts Befehlen

Einher im Leben gehn;

Auf deine Güte hoffen,Im Geist den Himmel offen,Und dort den Preis des Glaubens sehn!

Ich weis, an wen ich glaube,

Und nahe mich im Staube

Zu dir, o Gott, mein Heil.Ich bin der Schuld entladen,Ich bin bey dir in Gnaden,Und in dem Himmel ist mein Theil.

Bedeckt mit deinem Seegen,

Eil ich der Ruh entgegen;Dein Name sey gepreist!Mein Leben und mein EndeIst dein; in deine Hände

Befehl ich, Vater, meinen Geist.