Der Feind (Werfel)
Der Feind
Mein Feind, dem ich entgegenspeie,In meiner Brust versammelnd kleine SchreieUnd in den Händen ohne Mut,Zerkrampfte Ohnmacht, halbverlöschte Wut.
5Mein Feind, du trittst auf einen Pflasterstein!
Und da aus deinem Auge fällt der Abendschein,Der niedertropft in bläulich süßen Flammen.Und weinend, unter Schwalben, ungeheuer sinke ich zusammen.
In mir steht der Erzengel groß,
10Versöhnung bricht unendlich los.
Daß wir uns schlugen und zerrissen,Mit dumpfem Witz und List beschmissen,Daß wir dies trugen, jetzt erst kann ichs fassen,Dies Meucheln, dieses Auf-sich-tanzen-lassen.
15Dies schlechte Leiden, alten Rache Trick,
Die Passion zu diesem Augenblick!
Nun braust der Himmel als Posaunenmeer,Triumphtrompeten schnellen drunterher.Aus mir stürzt Liebe, Lieb’, Weltsinn, der dunkel lag.
20Und golden durch mich donnert jüngster Tag!