Ali Bey

Heinrich Heine (1797–1856)

XIV.Ali Bey.

Ali Bey, der Held des Glaubens,Liegt beglückt in Mädchenarmen.Vorgeschmack des ParadiesesGönnt ihm Allah schon auf Erden.

5Odalisken, schön wie Houris,

Und geschmeidig wie Gasellen –Kräuselt ihm den Bart die Eine,Glättet seine Stirn die Andre.

Und die Dritte schlägt die Laute,

10Singt und tanzt, und küßt ihn lachend

Auf das Herz, worin die FlammenAller Seligkeiten lodern.

[194]Aber draußen plötzlich schmettern

Die Trompeten, Schwerter rasseln,

15Waffenruf und Flintenschüsse –

Herr, die Franken sind im Anmarsch!

Und der Held besteigt sein Schlachtroß,Fliegt zum Kampf, doch wie im Traume; –Denn ihm ist zu Sinn, als läg’ er

20Immer noch in Mädchenarmen.

Während er die FrankenköpfeDutzendweis heruntersäbelt,Lächelt er wie ein Verliebter,Ja, er lächelt sanft und zärtlich.