Die Nixen (Heine)

Heinrich Heine (1797–1856)

[188]"]}' id="mwCA"> XI.

Die Nixen.Am einsamen Strande plätschert die Fluth,Der Mond ist aufgegangen,Auf weißer Dühne der Ritter ruht,Von bunten Träumen befangen.

5Die schönen Nixen, im Schleyergewand,

Entsteigen der Meerestiefe.Sie nahen sich leise dem jungen Fant,Sie glaubten wahrhaftig er schliefe.

Die eine betastet mit Neubegier

10Die Federn auf seinem Barette.

Die Andre nestelt am BandelierUnd an der Waffenkette.

[189]Die Dritte lacht und ihr Auge blitzt,

Sie zieht das Schwert aus der Scheide,

15Und auf dem blanken Schwert gestützt

Beschaut sie den Ritter mit Freude.

Die Vierte tänzelt wohl hin und herUnd flüstert aus tiefem Gemüthe:„O, daß ich doch Dein Liebchen wär’,

20Du holde Menschenblüthe!“

Die Fünfte küßt des Ritters Händ’,Mit Sehnsucht und Verlangen;Die Sechste zögert und küßt am EndDie Lippen und die Wangen.

25Der Ritter ist klug, es fällt ihm nicht ein,

Die Augen öffnen zu müssen;Er läßt sich ruhig im MondenscheinVon schönen Nixen küssen.