Intermezzo

Heinrich Heine (1797–1856)

Intermezzo.

Krausgelockte, braune IungenStürmen über’s Forum hin,Ohne Münze eingedrungen,Spotten sie des Wächters Müh’n,

5Der mit komischen Grimassen

Ihnen nachjagt kreuz und quer, –Doch was Schelm, läßt sich nicht fassenUnd nur toller treibt’s das Heer.Über hingestürzte Säulen

10Balanciren sie gewandt –

O dies Kichern, o dies Mäulen!Heros däucht sich jeder Fant!Manche Nase, arme Wache,Wird verächtlich dir gedreht,

15Manches Schmähwort, alter Drache,

Keck vom Wind dir zugeweht!Kapitäle, PiedestaleUnd was sonst zertrümmert liegt –Pah, sie hüpfen über alle,

20Und ihr toller Eifer siegt!

Müd und blaß wie ein EntehrterKauert ihr Versolger hinUnd ein ängstlicher GelehrterSeufzt ob solcher Blasphemie’n...

25Doch im Aug’ der Kleinen spiegelt

Schelmisch sich der Sonne GoldUnd der Hohn des Schwarms besiegeltNoch sein Thun, eh’ er sich trollt. –Der Vergänglichkeit, dem Tode

30Und der Ehrfurcht Majestät:

Allen schlägt das Sein ein Schnippchen,Wenn’s auf Kinderfüßen geht!