Lied der Marketenderin

Heinrich Heine (1797–1856)

Lied der Marketenderin.(Aus dem dreissigjährigen Krieg.)

Und die Husaren lieb’ ich sehr,Ich liebe sehr dieselben;Ich liebe sie ohne Unterschied,Die blauen und die gelben.

5Und die Musketiere lieb’ ich sehr,

Ich liebe die Musketiere,Sowohl Rekrut als Veteran,Gemeine und Offiziere.

Die Kavallerie und die Infanterie,

10Ich liebe sie alle, die Braven;

Auch hab’ ich bei der ArtillerieGar manche Nacht geschlafen.

Ich liebe den Deutschen, ich lieb’ den Franzos,Die Welschen und Niederländ’schen,

15Ich liebe den Schwed, den Böhm und Spanjol,

Ich lieb’ in ihnen den Menschen.

Gleichviel, von welcher Heimat, gleichviel,Von welchem Glaubensbund istDer Mensch, er ist mir lieb und wert,

20Wenn nur der Mensch gesund ist.

Das Vaterland und die Religion,Das sind nur Kleidungsstücke –Fort mit der Hülle, dass ich ans HerzDen nackten Menschen drücke.

25Ich bin ein Mensch, und der Menschlichkeit

Geb’ ich mich hin mit Freude!Und wer nicht gleich bezahlen kann,Für den hab’ ich die Kreide.

Der grüne Kranz vor meinen Zelt,

30Der lacht im Licht der Sonne;

Und heute schenk’ ich MalvasierAus einer frischen Tonne.