Unterm weißen Baume sitzend

Heinrich Heine (1797–1856)

Unterm weißen Baume sitzendHörst du fern die Winde schrillen,Siehst wie oben stumme WolkenSich in Nebeldecken hüllen;

5"]}' id="mwFw"> Siehst, wie unten ausgestorben

Wald und Flur, wie kahl geschoren; –Um dich Winter, in dir Winter,Und dein Herz ist eingefroren.

Plötzlich fallen auf dich nieder

10Weiße Flocken, und verdrossen

Meinst du schon mit SchneegestöberHab’ der Baum dich übergossen.

[6]"]}' id="mwNQ"> Doch es ist kein Schneegestöber,

Merkst es bald mit freud’gem Schrecken;

15Duft’ge Frühlingsblüthen sind es,

Die dich necken und bedecken.

Welch ein schauersüßer Zauber!Winter wandelt sich in Maye,Schnee verwandelt sich in Blüthen,

20Und dein Herz es liebt aufs Neue.