Oden aus Horaz
Traducido del latín por Ludwig Neuffer
An das Schiffdas den Virgilius nach Athen brachte.
I. 3.So sey Cyprias Götterschutz,So des Brudergestirns leitendes Licht mit Dir,So der Winde Beherrscher auch,(Alle halt’ er zurück, nur den Japyx nicht.)
Schiff, das schuldig ein theures Pfand,
Den Virgilius ist, daß du zur AttischenGrenz’ ihn ohne Verletzung bringst,Und, ich flehe, der Seel’ anderen Theil bewahrst!Eichen lagen und dreifach Erz
Um den Busen des Mann’s, der ein zerbrechliches
Boot der tobenden See vertrautErstmals, und nicht des Süds jähen VertilgungskampfMit Orkanen des Nords gescheut,Noch die grause Hyad’ oder des Notus Wuth,
Welcher, Adrias furchtbarster
Herrscher, schwellen die Fluth oder sie sinken heißt.
Welcher Todesgefahr erschrack,Wer mit trockenem Blick schwimmende Ungeheu’r,Wer die See in Empörung sah,
Und die ruchbare Klipp’ hoher Ceraunien?
Fruchtlos hat durch des OceansKluft ein sorgender Gott Länder von Land getrennt,Wenn die frevelnden Schiffe dochHüpfen über der Meergründe versagte Bahn.
Tollkühn alles zu übersteh’n,
Rennt durch Sünd’ und Verbot immer das Menschenvolk.Tollkühn trug des JapetusSohn mit bösem Betrug Feuer den Völkern zu.Als das Feu’r aus der Aetherburg
War entwendet, da fiel über die Erd’ ein Schwarm
Neuer Fieber und Siechthum her,Und des zaudernden Tod’s einst so verspätetesSchicksal flügelte jetzt den Schritt.Dädal prüfte der Luft Leere mit Fittigen,
Die nicht Menschen gegeben sind;
Durch den Acheron brach Herkules Riesenthat.Nichts ist Sterblichen allzuhoch!Selbst den Himmel bedroht unsre Vermessenheit,Und nicht duldet es unsre Schuld,
Daß den zürnenden Blitz Jupiter niederlegt.
An den Dellius.
II. 3.Gleichmüthig streb’ im Drange des MißgeschicksDein Herz zu halten, aber nicht minder auchIm Glücke frei von übermäß’gerFreude, mein Dellius, denn du stirbst einst,
Ob alle Zeit in Kümmerniß du verlebt,
Ob auf entlegnem Rasen zurückgelehntDu mit Falerner des gespartenKrugs dich am festlichen Tag beseligst.
Wo Silberpappeln und die erhabne Ficht’
Einladend ihren Schatten durch Laubgezweig
Vermählen, und in krummen UfernMühsam der flüchtige Quell hinabbebt,
Dort schaffe Wein und Salben und der zu baldVerwelkten Ros’ anmuthige Blüthe hin,
Weil Glück und Alter und der Parzen
Nächtliche Faden es noch gestatten.
Du mußt die rings erkauften Gehölze, mußtDein Haus, das Landgut, welches die Tiber netzt,Verlassen, und der aufgethürmten
Schätze bemächtiget sich der Erbe.
Sey reich, dem alten Inachusblut entstammt,Sey arm, vom tiefsten Volke, des Himmels DachDein Aufenthalt, gleichviel! ein OpferBleibst du dem nimmererflehten Orkus.
Uns alle treibt Ein Schicksal; uns allen springt
Einst früher, später aus dem geschwungnen TopfDas Loos, zu ewiger VerbannungUns in den stygischen Kahn zu setzen.
An den Licinius.
II. 10.Besser wirst du leben, Licin, wenn wederStets das hohe Meer du verfolgst, noch sorgsam,Vor Orkanen zitternd, zu nah am falschenStrande dich andrängst.
Wer das Heil der goldenen Mittelstraße
Sich erwählt, wird ruhig der morschen HütteEckeln Schmutz, wird nüchtern des Hofs mißgönntenSchimmer entbehren.
Heft’ger bebt von Stürmen gefaßt der Fichte
Riesenstamm, mit schwererem Falle stürzen
Hohe Warten ein, und aufs Haupt der BergeSchmettern die Blitze.
Weise hofft im Glück und besorgt im UnglückEin gediegnes Herz des Geschickes Wechsel.
Zeus erschafft die häßlichen Winter, Zeus auch
Ferner sie wieder.
Bist du heut unglücklich, die Zukunft wird nichtAlso seyn. Zuweilen erweckt die stummeMuse mit der Leier Apoll, und spannt nicht
Immer den Bogen.
Zeige dich im Drucke der Noth mit Thatkraft,Und gestählt mit Muthe, zugleich doch zieheWeislich ein im allzugewognen FahrwindSchwellende Segel.
An den Baum.
II. 13.Am Tag des Unglücks legt’ in die Erde dichDein erster Pflanzer, und mit verruchter HandErzog er dich, o Baum, den EnkelnEinst zum Verderben, der Flur zur Schande.
Er hat, das glaub’ ich, seinem Erzeuger selbst
Den Hals gebrochen, nächtliches Blut verspritztIm innern Schlafgemach des Gastfreunds,Kolchische Gifte gemischt, und alles
Verübt, was je an Gräueln ein Menschenherz
Gebrütet, wer dich, trauriges Holz, gesetzt
Auf meinen Acker, dich, zu fallenAuf des nicht schuldigen Herren Scheitel.
Was Jeder stündlich meide, das hat ein MenschNoch nie erkundet; Puniens Schiffer bebt
Dem Bosporsund, und fürchtet nirgends
Drüber hinaus das verborgne Schicksal.
Der Krieger die Geschoß’ und behende FluchtDes Parthers; dieser Ketten- und KerkerblockDes Römers, aber ungeahnet
Raffet und raffte der Tod die Völker.
Wie nahe sah der dunkeln ProserpinaGebiet ich, und den richtenden Aeakus,Und abgetrennt die Au’n der Frommen,Und auf äolischen Saiten klagend
Die Sapho, gram den Mädchen des Vaterlands,
Und dich, der voller tönet mit goldnem Kiel,Alcäus! Noth des Schiffs besingend,Noth der Verbannung und Noth des Krieges.
Der Beiden Lieder, heiliger Sille werth,
Bewundern rings die Schatten, doch gieriger
Auf Schlachten und verjagte HerrscherHorchet die schulterngedrängte Menge.
Was Wunder? Senkt ob jenen Gesängen dochErstaunt das hundertköpfige Ungeheu’r
Die schwarzen Ohren, und die Nattern
Schwelgen, der Furien Haar durchschlängelnd.
Ja selbst Prometheus wird durch den ZaubertonUnd Pelops Vater daurender Qual entrückt,Orion sorgt nicht mehr, die Löwen
Oder den schüchternen Luchs zu jagen.
An den Grosphus.
II. 16.Ruh’ erfleht von Göttern der Sturmergriff’neAuf Aegäums Meere, sobald die schwarzeWolk’ umzog den Mond, und kein Leitgestirn mehrLeuchtet den Schiffern.
Ruh’ erfleht die schlachtenentbrannte Thrake,
Ruhe sich die köchergeschmückten Meder,Ruh’, o Grosphus, die für Gestein, für Gold undPurpur nicht feil ist.
Denn fürwahr nicht Schätze, noch eines Konsuls
Liktor scheucht unseligen Sturm der Seele,
Oder Sorgen weg, die der PrunkgemächerDecken umflattern.
Glücklich lebt mit Wenigem, wem auf schlichtemTische glänzt ein vaterererbtes Salzfaß,
Wem nicht Furcht noch häßliche Gier den leichten
Schlummer entführet.
Warum zielt nach Vielem im kurzen LebenRasch der Mensch? Was suchen wir Land, das andreSonnen wärmen? Wer, aus der Heimath wandernd,
Floh auch sich selber?
Auch die erzbeschlagenen Schiff’ ersteigetSchnöde Sorg’, und läßt nicht von Reiterschwärmen,Schneller als die Hirsch’ und der Wolkentreiber,Schneller als Eurus.
Froh der Gegenwart, sey um ferne Zukunft
Unbesorgt, und mildre mit stetem LächelnBittres dir. Nichts ist in der Welt von allenSeiten vollkommen.
Schneller Tod entraffte berühmt Achillen,
Langes Alter zehrte den Greis Tithonus,
Und vielleicht kann mir, was sie dir versagte,Bringen die Hore.
Dich umbrüllen Sikulerküh’ in hundertHeerden, dich grüßt wiehernd des Viergespannes
Edle Kämpferstute, dich kleidet Wolle,
Zweymal getränkt in
Purpurblut: mir schenkte geringe Felder,Und ein wenig Geist von der GrajermuseEine treue Parz’, und den bösgesinnten
Troß zu verachten.
Die nemliche Ode.(Versuch in gereimten Versen.)
Ruh’ erfleht aus offnen Meereswogen,Wenn ein schwarz Gewölk den Mond umzogen,Und kein sichres Leitgestirn ihm lacht,Der Pilot in grauser Schreckennacht.
Ruh’ auch Thrakes wilde Kriegerhorden,
Und die Meder, die mit Pfeilen morden,Ruhe, die für Purpur nicht und Gold,Nicht für Gemmen ihren Frieden zollt.
Denn fürwahr, nicht reicher Schätze Prangen;
Nicht des Konsuls Liktor scheucht den bangen
Sturm der Brust, und selbst in’s PrunkgemachSchweben die beschwingten Sorgen nach.
Glücklich, wem das Salzfaß biedrer AhnenAuf dem schlichten Tische blinkt! Ihn mahnen
Nie der Habsucht Qualen; sanft und leicht
Ist sein Schlaf, von keiner Furcht verscheucht.
Warum ringt der Mensch im kurzen LebenRastlos nach so manchem Ziel? Was strebenWir nach fremden Landen? Wer entflieht,
Fern von Haus, dem eigenen Gemüth?
Mit zu Schiffe steigt der Seele Hader,Läßt nicht ab vom reisigen Geschwader,Schneller, denn die Hirsche und der Ost,Der einher mit Wetterwolken tost.
Sey zufrieden mit dem Augenblicke,
Sorge nicht, was dir die Zukunft schicke,Mild’re lächelnd selbst das Bittre dir;Kein vollkomm’nes Glück gewinnst du hier.
Schnell erlag Achill den blassen Schatten,
Langes Alter zehrt’ Auroras Gatten,
Und es wird, was dir sie nicht beschert,Von der Hore mir vielleicht gewährt.
Hundert Heerden hörst du dich umblöcken,Und gefärbt in Tyrus Purpurschnecken
Schimmert dein Gewand, zum Viergespann
Schickt die Stute wiehernd dir sich an:
Mir verlieh die Parze, die getreue,Daß ich eines kleinen Guts mich freue,Daß mich Hellas Dichtergeist durchglüht,
Der verachtend schlechten Pöbel flieht.
An die Lyde.
III. 11.Hermes, denn belehret von dir dem Meister,Hat Amphion Steine bewegt mit Singen,Und auch du, o Leier, auf sieben SaitenKundig zu tönen.
Stumm vordem und wenig beliebt, doch jetzo
Werth am Tisch der Reichen und in den Tempeln,Sag’ ein Lied, zu dem die verstockten OhrenLyde nun wende,
Die, wie ein dreijährigs Füllen, spielend
Hüpft auf weiter Flur und Berührung fürchtet,
Fremd der Hochzeitfreud’, und dem ungestümenBuhlen noch unreif.
Tiger und begleitende Wälder kannst duNach dir zieh’n, und eilende Bäche hemmen,
Ja es wich dir, Schmeichlerinn, selbst des Orkus.
Gräulicher Hüter,
Cerberus, wiewohl sich ihm hundert SchlangenRingeln um das Furienhaupt, und grauserAthem ihm und Geifer vom dreygezüngten
Rachen herabträuft.
Auch Ixion, Tityos auch erwehrteSich des Lächelns nicht, und ein wenig trockenStand die Urn’, als du mit Gesang entzücktestDanaus Töchter.
Lyde soll mir hören vom Gräu’l der Jungfrau’n
Und bekannter Strafe, vom leeren Faße,Wo am Bodengrunde das Wasser schwindet,Und vom Verhängniß,
Das auch spät im Orkus der Schuld noch harret.
Ha, verrucht! (Was konnten sie größers freveln?)
Ha, verrucht! Sie konnten mit hartem EisenMorden die Freier.
Eine nur von Vielen, der HochzeitfackelWerth, betrog den schwürevergeßnen Vater
Ehrenvoll, die bis auf die fernste Nachwelt
Rühmliche Jungfrau.
Auf, so sagte sie zum vermählten Jüngling,Auf, daß dich nicht finde der lange Schlummer,Wo du nichts dir fürchtest, betreug den Schwäh’r und
Schreckliche Schwestern
Die, wie Löwenmütter die jungen Kälber,Einzeln, ach, sie schlachten! doch Ich, die sanfterFühlt, als sie, will weder dich morden, noch imZimmer dich halten.
Lad’ auf mich mein Vater ergrimmte Ketten,
Weil des Unglücksgatten ich mild verschonte,Trage mich verbannend sein Schiff zum fernstenLand der Numiden.
Geh, wohin die Füß’ und der Wind dich reißen,
Weil noch Nacht und Venus dich schirmt, mit guten
Zeichen geh’, und präg’ auf mein Grab die Klage,Unser gedenkend.
An den Mäcenas.
III. 29.Tyrhenersprößling, Enkel von Königen!Ein milder Wein im nie noch gewandten Faß,Mit Rosenblüthen, o Mäcenas,Narde zugleich, für dein Haar gepresset,
Ist längst bei mir schon. Reiß dich von Hemmung los,
Daß du das feuchte Tibur und AesulasAbschüssig Feld nicht stets beschaust, undTelegons Höhen, des Vatermörders.
Verlaß den unlustschaffenden Ueberfluß,
Und deiner Hochburg ragenden Wolkenbau,
Und staune länger nicht der stolzenRoma Getümmel und Pracht und Rauch an.
Auch Reichen ist oft süß die Veränderung,Und reine Kost, selbst unter des Armen Dach,
Hat ohne Baldachin und Purpur
Oft die bekümmerte Stirn entrunzelt.
Schon zeigt verborgnes Feuer AndromedasGlanzvoller Vater, Procyon rast, und schonDes grimmen Löwen Stern, da Phöbus
Wieder die glühenden Tag’ herbeiführt.
Schon sucht der Hirt mit schmachtender Heerde sich,Ermüdet, Bach und Schatten und WaldgebüschDes struppichten Silvans, und stilleUfer entbehren der Lüfte Säuseln.
Du sorgst der Stellung, welche dem Reich gebührt,
Und pflegst der Stadt, angstvoll, was die Serer doch,Was die von Cyrus einst beherrschteBaktra, was Tanais Zwist uns drohe.
Vorschauend hüllt der künftigen Zeit Erfolg
Ein Gott in undurchdringliche Finsterniß,
Und lacht, wenn über alle MaaßenSterbliche zittern. Was da ist, denke
Gleichmüthig dir zu ordnen, das übrigeFährt hin, dem Strom gleich, der in des Ufers Schooß
Jetzt friedlich zum Etrurermeere
Gleitet, und jetzt die benagten Felsen,
Entraffte Baumstämm’, Heerden und WohnungenZugleich dahinwälzt, daß die Gebirg’ umherNachbrüllen, und die nahen Wälder,
Wenn die unbändige Fluth die sanften
Thalbäch’ emporstürmt. Der ist sein eigner Herr,Und wohnt im Frieden, welcher von Tag zu TagSich sagen darf: Ich lebte! MorgenHülle der Vater den Pol in schwarzes
Gewölk’ ein oder heiteres Sonnenlicht.
Denn, was vorbei ist, kann er nicht tilgen mehr,Nicht ungescheh’n und anders machen,Was dir die fliehende Stunde brachte.
Fortuna, die grausamen Geschäftes froh,
Voll Uebermuths zu spielen ihr Spiel beharrt,
Tauscht um die ungewissen Würden,Jetzo mir, jetzo dem Andern günstig.
Ich lob’ es, bleibt sie. Schlägt sie das eilendeGefieder, zahl’ ich, was sie verlieh, zurück,
Und hülle mich in meine Tugend,
Nackte, doch redliche Armuth wählend.
Nicht meine Sach’ ist’s, wenn von des AfrikusOrkan der Mast heult, sinken in’s Jammerfleh’n,Und durch Gelübde mir bedingen,
Daß nicht die Tyrer- und Cyprerwaare
Mit neuem Reichthum fülle das geiz’ge Meer.Dann wird, dem doppelrudrigen Boot vertraut,Mich sicher durch Aegäums AufruhrFühren die Luft und der Zwilling Pollux.
An Melpomene.
IV. 3.Wen, Melpomene, du einmal,Als geboren er ward, sahest mit gnäd’gem Blick,Solchen wird nicht der IsthmischeKampf als Fechter erhöh’n, nicht ein geflügelt Roß
Auf Achäischem Wagen ihn
Zieh’n als Sieger, auch nicht krieg’rische HeldenthatIhn, mit delischem Blatt geschmückt,Weil das Dräu’n er zermalmt trotziger Könige,Zeigen dem Kapitolium.
Doch die Wasser, die mein Tibur vorüber zieh’n,
Und dichtlaubiger Haine Grün,Im äolischen Lied bilden sie ihn berühmt.Roms, der Städtebeherrscherinn,Söhne würdigen schon unter das Lieblingschor
Seiner Sänger zu reihen mich,
Und schon naget an mir minder des Neides Zahn.O, die goldenes SaitenspielStimmt zu süßem Getön, göttliche Pieris!O, die schweigenden Fischen selbst
Könnte (wollte sie je) Schwanengesang verleih’n,
Ganz ist dieß dein Geschenk, daß michAls den Meister das Volk zeigt im Vorübergeh’n,Der die römische Lyra zwangDaß ich dicht’ und gefall’, ob ich gefall’? ist dein.
Lob des Landlebens.
Epode 2.Der Mann ist selig, der von Weltgeschäften fern,Dem Urgeschlecht der Menschen gleich,Das väterliche Feld mit eignen Stieren pflügt,Von allem Wucherwesen frei.
Nicht weckt zur Schlacht ihn der Drommete grauser Ton,
Nicht graut ihm vor des Meeres Zorn.Auch meidet er den Markt und übermächtigerMitbürger stolze Schwellen gern,Dafür vermählt mit hohen Pappelbäumen er
Der Reb’ erstarkte Sprößlinge;
Und schneidet mit der Hipp’ unnütze Aeste durch,Und pfropfet edlere Reiser drauf.Oder er sieht vor sich im tiefgekrümmten ThalDer brüllenden Heerden Schwärme zieh’n,
Oder er preßt in reine Krüge Honigseim,
Oder er schiert das Wollenvieh.
Wenn dann das schön mit reifem Obst gezierte HauptDer Herbst aus Fruchtgefilden hebt,Wie freut er sich, wenn selbstgeimpfte Birn’ er pflückt,
Und die Traube, die wie Purpur glüht,
Dir zum Geschenk, Priapus, und, o Vater, dir,Silvanus, Schirmer seiner Flur!Ihm behagt’s zu liegen, jetzt von alter Eich’ umwölbt,Jetzt auf dem schwellenden Rasenbett,
Indessen rinnen Bäch’ in hohen Ufern fort,
Die Vögel klagen im Gehölz,Und Quellen rauschen darein mit sanfthinrieselnder Fluth,Und zaubern leichten Schlaf herbey.Doch wenn die Winterszeit des Donnergottes Zeus
Platzregen bringt und Flockenschnee,
Drängt dort und dort er mit vielen Hunden brausendeWaldschwein’ in’s vorgeworfne Netz.Bald spannt er maschige Garn’ auf glatten Gabeln aus,Gefräß’gen Drosseln zum Betrug,
Und den scheuen Hasen, und den Zögling Kranich auch
Erhascht die Schling’ als süßen Raub.Wer wird nicht allen Kummer, den die Liebe nährt,Vergessen unter solcher Lust!Wenn dann ein sittsam Weib auch ihres Theils das Haus,
Und süßer Kinder Wohl besorgt,
Wie die Sabinerfrau, und von der Sonne braun,
Das Weib des raschen Appulers,Und trocknes Holz umher auf heil’gem Heerde häuft,Zur Wiederkehr des müden Manns,
Und in geflochtne Hürden schließt das munt’re Vieh,
Und die gespannten Euter melkt,Und heurigen Wein dem süßerhaltnen Faß entzapft,Und unerkaufte Kost ihm bringt:Dann reizten mich Lukrineraustern nicht so sehr,
Meerbutten auch, und Brassen nicht,
Wenn auf eoischen Wellen donnernd ein OrkanAn unsern Meerstrand sie verschlug,Kein Afrervogel sänk’ in meinen Magen dann,Kein Haselhuhn aus Ionien
Schmackhafter mir, als die Olivenfrucht, gepflückt
Vom fettesten Gezweige des Baums,Als Ampfer, der die Wiesen liebt, und Malvenkost,Ein heilsam Kraut dem kranken Leib,Und als ein Lamm, geschlachtet am Fest des Terminus,
Und ein dem Wolf entrißner Bock.
Bey solchem Schmaus, wie lustig ist’s der Schaafe ZugZu schau’n, der satt zur Wohnung eilt,Zu schau’n die müden Stier’ am umgestürzten Pflug,Wie sie mit schlaffem Hals ihn zieh’n,
Und wie der Knechte Schaar, im reichen Haus erzeugt,
Um schimmervolle Laren sitzt! –
Als dieß gesagt der wucherfrohe Alphius,Im Vorgefühl ein Landmann schon,Treibt an den Iden all sein Geld er ein, und legt’s
An den Kalenden wieder an.
Aufheiterung.
An die Freunde.
Epod. 13.Grausendes Ungewitter umzog den Himmel, und RegenUnd Flocken zieh’n den Zeus herab.Wälder nunmehr und das Meer
Hallen vom Thracischen Norde zurück. Nun erhaschet, o Freunde,
Vom Tage die geleg’ne Zeit!
Weil uns noch streben die Knie’,
Und es sich ziemt, so erheitert die Stirne von Wolken des Alters.Du, bringe Wein, im KonsulsjahrMeines Torquatus gepreßt.
Rede vom übrigen nicht! Vielleicht mit erfreulichem Wechsel
Bringt uns ein Gott das alte Glück.Jetzo mit Persischer Nard’
Eile zu salben dein Haar, und mit cyllenischer LeierVon unheilvollem Sorgenschwarm
Dir zu erleichtern die Brust.
Wie der berühmte Centaur einst sang dem gewaltigen Zögling:Unüberwundner Sterblicher,Thetis, der göttlichen, Sohn!
Deiner harrt des Assarakus Land, das der kleine Skamandrus
Mit kalter Fluth durchschneidet, und
Simois gleitender Strom.
Aber die Parce versagt mit reißendem Faden die Heimkehr,Und deiner Mutter blaue FluthTrägt dich nach Hause nicht mehr.
Dort versüße dir jegliches Leid mit Wein und Gesange,
Die ungestalter TraurigkeitTröstende Labung verleih’n.