Der Goldschmiedsgesell
Album der Poesien
Album der Poesien.
Der Goldschmiedsgesell.
Es ist doch meine NachbarinEin allerliebstes Mädchen.Wie früh ich in der Werkstatt bin,Blick’ ich nach ihrem Lädchen.
Zu Ring und Kette poch’ ich dann
Die feinen goldnen Drähtchen.Ach, denk’ ich, wann, und wieder wannIst solch ein Ring für Käthchen?
Und thut sie erst die Schaltern auf,
Da kommt das ganze Städtchen
Und feilscht und wirbt mit hellem HaufUm’s Allerlei im Lädchen.
Ich feile; wohl zerfeil’ ich dannAuch manches goldne Drähtchen.
Der Meister brummt, der harte Mann!
Er merkt, es war das Lädchen.
Und flugs, wie nur der Handel still,Gleich greift sie nach dem Rädchen.Ich weiß wohl, was sie spinnen will:
Es hofft das liebe Mädchen.
Und nach den Lippen führt der SchatzDas allerfeinste Fädchen.O, wär’ ich doch an seinem Platz,Wie küßt’ ich mir das Mädchen!
Goethe.