In Danzig

Joseph von Eichendorff (1788–1857)

[432] In Danzig.1842.

Dunkle Giebel, hohe Fenster,Thürme tief aus Nebeln sehn,Bleiche Statuen wie GespensterLautlos an den Thüren stehn.

5 Träumerisch der Mond drauf scheinet,

Dem die Stadt gar wohl gefällt,Als läg’ zauberhaft versteinetDrunten eine Märchenwelt.

Ringsher durch das tiefe Lauschen,

10 Ueber alle Häuser weit,

Nur des Meeres fernes Rauschen –Wunderbare Einsamkeit!

Und der Thürmer wie vor JahrenSinget ein uraltes Lied:

15 Wolle Gott den Schiffer wahren,

Der bei Nacht vorüberzieht!