Silvester Da sitzt der Weise

Kurt Tucholsky (1890–1935)

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Von Theobald Tiger

Da sitzt der Weise tief im Sesselund braut sich einen Schlummerpunsch.Die Nase glüht – es summt im Kessel –und nachbedenklich hängt sein Flunsch.

5Sieh da, Mamachen! Hoch geschäftig

eilt diese Gute hin und her.Sie kocht und gießt und klappert heftigund fragt mich schließlich, was es wär.

Denn schau: sie hat sich Blei geschmolzen,

10es zischt, es plumpst – sie bringt es an.

Was ist das? Seh ich einen stolzenMonarchenthron? mit Bommeln dran?

Ist das die Republikenmütze?Ein Tirpitzbart? Ein voller Sack?

15Ein Säbel, welcher zu nichts nütze,

und den man nicht mehr sehen mag?

Das alles wälz ich durchs Gemüte.„Na, Theobald? wem sieht das gleich?“so drängt mich meines Lebens Blüte.

20Ich weiß doch nicht … das Blei ist weich …

Das soll es nicht. Es mag erstarren!Seid hart, wie jener Landgraf war!Umtost von Junkern und von Narren,nur Männer ziehen unsern Karren –!

25– – – – – – – – In diesem Sinne:

Prost Neujahr!