Einem Baubruder
[256]Einem Baubruder.
I.
An die Vigilien, die wir gehaltenVor inhaltsvollen, heil’gen FestestagenDenk’ ich entzückt wie an ein FlügelschlagenDes Genius, trotz irdischer Gewalten.
5Denk’ ich mit andachtsvollem Händefalten!
Denn ob dem Niederen emporgetragenVon der Begeistrung goldnem Sonnenwagen,Umringten uns nur himmlische Gestalten.
Wie einstens jene frommen Brüderschaften,
10Die sich dem Dienst der heil’gen Baukunst weihten,
Profanem Wesen siegreich sich entrafften:
So soll auch uns ein heilig Paßwort leiten,Für des vereinten Strebens Reinheit haften,Und in den Kampf des Lebens uns begleiten.
II.
15Das Paßwort, das gleich einem Sonnenstrahle
Den Pfad zum Ziele zeigt, lichtübergossen,Bauhütten öffnet, die uns sonst verschlossen,Dies Paßwort heißt: Getreu dem Ideale.
[257]Vor dieser Losung sind mit einem male
20Verscheucht die Thoren, die es stets verdrossen,
Wenn keusche Seelen Himmelstrank genossen,Entquollen einem wunderreichen Grale.
Wir aber sind durch dieses Wort verbundenMit heilgem Band, durch keine Macht zu trennen,
25Seit wir uns so auf gleichem Pfad gefunden!
Und wollen kühn vor einer Welt bekennen,Daß wandellos, schlüg’ sie uns drum auch Wunden,Wir Streiter uns fürs Ideale nennen.