Die sterbenden Helden (Uhland)

Ludwig Uhland (1787–1862)

Die sterbenden Helden.

Der Dänen Schwerdter drängen Schwedens HeerZum wilden Meer.Die Wagen klirren fern, es blinkt der StahlIm Mondenstral.

5Da liegen, sterbend, auf dem Leichenfeld

Der schöne Sven und Ulf, der graue Held.

Sven.

O Vater! daß mich in der Jugend KraftDie Norne rafft!Nun schlichtet nimmer meine Mutter mir

10 Der Locken Zier.

Vergeblich spähet meine SängerinVom hohen Thurm in alle Ferne hin.

Ulf.

Sie werden jammern, in der Nächte GraunIm Traum uns schaun.

15Doch sey getrost! bald bricht der bittre Schmerz

Ihr treues Herz.Dann reicht die Buhle dir bei Odins Mahl,Die goldgelockte, lächelnd den Pokal.

Sven.

Begonnen hab’ ich einen Festgesang

20 Zum Saitenklang,

Von Königen und Helden grauer ZeitIn Lieb’ und Streit.Verlassen hängt die Harfe nun, und bangErweckt der Winde Wehen ihren Klang.

Ulf.

25Es glänzet hoch und hehr im Sonnenstral

Allvaters Saal,Die Sterne wandeln unter ihm, es ziehnDie Stürme hin.Dort tafeln mit den Vätern wir in Ruh,

30Erhebe dann dein Lied und end’ es du!

Sven.

O Vater! daß mich in der Jugend KraftDie Norne rafft!Noch leuchtet keiner hohen Thaten BildAuf meinem Schild.

35Zwölf Richter thronen, hoch und schauerlich,

Die werthen nicht des Heldenmahles mich.

Ulf.

Wohl wieget Eines viele Thaten auf, –Sie achten drauf –Das ist um deines Vaterlandes Noth

40 Der Heldentod.

Sieh hin! die Feinde fliehen; blick hinan!Der Himmel glänzt, dahin ist unsre Bahn!