Spaziergang (Otto Ernst)
[10] Spaziergang.
Der Sturmwind springt mit rasendem SchwungÜber leuchtende Wiesen.Er packt die Eichen bei Wurzel und Ast,Die knarrenden Riesen.
5Mir zum Triumph bestreut er den Weg
Mit breiten Zweigen,Und hoch in Lüften spielt er mir aufMit juchzenden Geigen.
Die Erde klingt meinem harten Tritt
10Auf schweigenden Wegen –
Was ist mir noch an der lauen Welt,An mir selber gelegen?
Was ich gewesen, was ich gelebt,War Jammer und Schwäche.
15Mir spannt sich die Faust, auf daß ich den Tand
Mit Fäusten zerbreche.
Ich wachse, ich steige, ich werde frei,Sturm werde mein Wille! –Mein Denken fliegt wie ein Jubelschrei
20Durch die Winterstille.