Goethe-Tag

Stefan George (1868–1933)

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Wir brachen mit dem zarten frührot aufAm sommerend durch rauchendes gefildZu Seiner stadt. Noch standen plumpe mauerUnd würdelos gerüst von menschen frei

5 Und tag – unirdisch rein und fast erhaben.

Wir kamen vor sein stilles haus · wir sandtenDer ehrfurcht blick hinauf und schieden. HeuteDa alles rufen will schweigt unser gruss.

Noch wenig stunden: der geweihte raum

10 Erknirscht: sie die betasten um zu glauben ..

Die grellen farben flackern in den gassen ·Die festesmenge tummelt sich die gernSich schmückt den Grossen schmückend und ihn fragtWie er als schild für jede sippe diene –

15 Die auf der stimmen lauteste nur horcht ·

Nicht höhen kennt die seelen-höhen sind.

Was wisst ihr von dem reichen traum und sangeDie ihr bestaunet! schon im kinde leidenDas an dem wall geht · sich zum brunnen bückt ·

20 Im jüngling qual und unrast · qual im manne

Und wehmut die er hinter lächeln barg.Wenn er als ein noch schönerer im lebenJezt käme – wer dann ehrte ihn? er gingeEin könig ungekannt an euch vorbei.

25 Ihr nennt ihn euer und ihr dankt und jauchzt –

Ihr freilich voll von allen seinen triebenNur in den untren lagen wie des tiers –Und heute bellt allein des volkes räude...Doch ahnt ihr nicht dass er der staub geworden

30 Seit solcher frist noch viel für euch verschliesst

Und dass an ihm dem strahlenden schon vielVerblichen ist was ihr noch ewig nennt.