Archibald Douglas (Fontane)
[14] Archibald Douglas.
Von Theodor Fontane.
„Ich hab’ es getragen sieben JahrUnd ich kann es nicht tragen mehr,Wo immer die Welt am schönsten war,Da war sie öd’ und leer.
5Ich will hintreten vor sein Gesicht
In dieser Knechtsgestalt,Er kann meine Bitte versagen nicht,Ich bin ja worden alt.
Und trüg er noch den alten Groll,
10Frisch wie am ersten Tag,
So komme, was da kommen soll,Und komme, was da mag.“
Graf Douglas spricht’s. Am Weg ein SteinLud ihn zu harter Ruh,
15Er sah in Feld und Wald hinein,
Die Augen fielen ihm zu.
Er trug einen Harnisch rostig und schwer,Darüber ein Pilgerkleid, –Da horch, vom Waldrand scholl es her,
20Wie von Hörnern und Jagdgeleit.
Und Kies und Staub aufwirbelte dicht,Herjagte Meute und Mann,Und ehe der Graf sich aufgericht’t,Waren Roß und Reiter heran.
25König Jakob saß auf hohem Roß,
Graf Douglas grüßte tief,Dem König das Blut in die Wange schoß,Der Douglas aber rief:
„König Jakob, schaue mich gnädig an
30Und höre mich in Geduld,
Was meine Brüder Dir angethan,Es war nicht meine Schuld.
Denk nicht an den alten Douglas-Neid,Der trotzig Dich bekriegt,
35Denk lieber an Deine Kinderzeit,
Wo ich Dich auf den Knie’n gewiegt.
Denk lieber zurück an Stirling Schloß,Wo ich Spielzeug Dir geschnitzt,Dich gehoben auf Deines Vaters Roß
40Und Pfeile Dir zugespitzt.
Denk lieber zurück an Linlithgow,An den See und den Vogelheerd,Wo ich Dich fischen und jagen frohUnd schwimmen und springen gelehrt.
45O denk an Alles, was einsten war
Und sänftige Deinen Sinn,Ich hab’ es gebüßet sieben Jahr,Daß ich ein Douglas bin.“
„Ich seh’ Dich nicht, Graf Archibald,
50Ich hör’ Deine Stimme nicht,
Mir ist, als ob ein Rauschen im WaldVon alten Zeiten spricht.
Mir klingt das Rauschen süß und traut,Ich lausch’ ihm immer noch,
55Dazwischen aber klingt es laut:
Er ist ein Douglas doch.
Ich seh’ Dich nicht, ich höre Dich nicht,Das ist Alles, was ich kann,Ein Douglas vor meinem Angesicht
60Wär’ ein verlorener Mann.“
König Jakob gab seinem Roß den Sporn,Bergan ging jetzt sein Ritt,Graf Douglas faßte den Zügel vornUnd hielt mit dem König Schritt.
65[15]Der Weg war steil, die Sonne stach
Und sein Panzerhemd war schwer,Doch, ob er schier zusammenbrach,Er lief doch nebenher.
„König Jakob, ich war Dein Seneschall,
70Ich will es nicht fürder sein,
Ich will nur tränken Dein Roß im StallUnd ihm schütten die Körner ein.
Ich will ihm selber machen die StreuUnd es tränken mit eigener Hand,
75Nur laß mich athmen wieder auf’s Neu
Die Luft im Vaterland.
Und willst Du nicht, so hab’ einen Muth,Und ich will es danken Dir,Und zieh Dein Schwert und triff mich gut
80Und laß mich sterben hier.“
König Jakob sprang herab vom Pferd,Hell leuchtete sein Gesicht,Aus der Scheide zog er sein breites Schwert,Aber fallen ließ er es nicht.
85„Nimm’s hin, nimm’s hin und trag’ es neu
Und bewache mir meine Ruh,Der ist in tiefster Seele treu,Wer die Heimath liebt, wie Du.
Zu Roß, wir reiten nach Linlithgow
90Und Du reitest an meiner Seit’,
Da wollen wir fischen und jagen froh,Als wie in alter Zeit.“