Octoberlied

Theodor Storm (1817–1888)

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;Schenk ein den Wein, den holden;Wir wollen uns den grauen TagVergolden, ja vergolden.

5Und geht es draußen noch so toll,

Unchristlich oder christlichIst doch die Welt, die schöne Welt,So gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz, –

10Stoß an, und laß es klingen!

Wir wissen’s doch, ein rechtes HerzIst gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;Schenk ein den Wein, den holden!

15Wir wollen uns den grauen Tag

Vergolden, ja vergolden.

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,Doch warte nur ein Weilchen!Der Frühling kommt, der Himmel lacht,

20Es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an;Und ehe sie verfließen,Wir wollen sie, mein wackrer Freund,Genießen, ja genießen!